Bestimmung des Kopfstandes. 105
Stande spricht, befindet er sich auf dem Beckenboden. Aber dieseDefinition schützt nicht vor Irrthümern und gibt namentlich dem An-fänger keine Anhaltspunkte zur selbständigen Beurtheilung.
Beim Touchiren kommt man gewöhnlich zuerst auf die am tiefstenstehende Rundung des Schädels, die Schädelkuppe oder Schädelwölbung.Wenn man nun von diesem Punkt des Kopfes in einer horizontalenEbene nach der seitlichen Beckenwand fühlt, kann man ohne Schwierig-keiten sich über den Tiefstand dieses Punktes entscheiden. Wir erinnernan die 4 Beckenebenen, wovon 2, nämlich Beckeneingang und -Ausgangnatürlich gegeben, und Beckenweite und Beckenenge willkürlich gelegteDurchschnitte sind. Die Beckenweite schneidet hinten die Verbindungs-stelle zwischen 2. und 3. Kreuzbeinwirbel, seitlich die innere Flächeder Pfannengegend und vorn die Mitte der Symphyse. Die Beckenengedenkt man sich hinten durch die Spitze des Kreuzbeins, seitlich durchdie Spinae ischii und vorn durch den unteren Rand der Symphysegelegt (vergl. Fig. 69).
Von allen Punkten der Beckeninnenfläche, welche überhaupt eineOrientirung zulassen, ist die Spina ischii der geeignetste. Handeltes sich um die erste Schädellage, so ist die Schädelkuppe mehr derlinken Beckenseite zugewendet. Dem entsprechend muss bei der erstenLage auch auf der linken Seite nach der Spina ischii gesucht werden.Ist die Schädel Wölbung in der Höhe der Spina, so steht der grössteUmfang des Schädels in der Beckenweite. Kann man zwischen Spinaischii und Schädelwölbung 2 Querfinger legen, so befindet sich dergrösste Umfang, also auch der grösste Theil des Schädels noch überdem Beckeneingang. Und wo der Kopf ganz tief steht, kommt manmit dem Finger nicht mehr zum Sitzbeinstachel.
Das Tuber ischii kann auch gelegentlich zur Orientirung nützen;doch ist dieser Knochenpunkt nur sehr schwer fühlbar, weil er ganzin den Muskelansätzen versteckt ist.
An der Symphysenwand ist das Abgrenzen der einzelnen Becken-ebenen ungenau, weil hier der Weg, den der Kopf beschreibt, zukurz ist.
Steht bei einer Schwangernuntersuchung, besonders bei Erst-gebärenden, der Kopf fest im Becken, so kann man daraus auf dasEnde der Schwangerschaft schliessen. Bei Mehrgebärenden bleibt derKopf allerdings oft bis zum Beginn der Wehen über dem Becken-eingang. Treffen wir aber bei einer Erstgeschwängertenden Kopf noch beweglich über dem Beckeneingang, trotzdemwir aus anderen Verhältnissen Ende des 10. Monats annehmen müssen,so muss dies die Vermuthung auf ein enges Becken veran-lassen und zu einer genauen Messung auffordern. Um Fest-stand oder Beweglichkeit zu prüfen, dürfen keine Wehen vorhanden sein.
Für die Untersuchung während der Geburt machen wir nochbesonders darauf aufmerksam, dass man nur dann die Diagnoseeiner Kopflage stellen kann, wenn man Nähte oder eineFontanelle fühlt. Nie darf man sich auf Härte und Rundung ver-