\Q2 Auscultation der Herztöne.
Historische Notizen. Es war die Entdeckung der Auscultation derfötalen Herztöne so bahnbrechend, dass wir uns veranlasst sehen, hierüber einekurze geschichtliche Notiz zu geben. Am 26. December 1821 legte Lejumeaude Kergaradec der Pariser Academie sein Memoire sur l'auscultation ä l'etudede la grossesse vor. Es hatte zwar nach einer Note in der Bibliotheque univer-selle des sciences, Geneve 1818, der Genfer Chirurge Major die fötalen Herztöneschon früher gehört, aber die neue Entdeckung für die Praxis nicht weiter ver-werthet. Von besonderer Bedeutung ist es, das man an Stärke und Schnelligkeitder fötalen Herztöne erkennen kann, ob das Kind sich wohl befinde oder inGefahr schwebe. Diese Thatsache wurde begreiflicherweise erst durch längereErfahrungen festgestellt. Am meisten trug B o d s o n hiezu bei, dessen Beobach-tungen zuerst von Paul Dubois in den Archives generales de medecine T. 27erwähnt wurden. Fischel ] ) beschreibt neuerdings die Möglichkeit, bei Gesichts-lagen eventuell die kindlichen Herztöne zu fühlen.
In der ersten Publication von Lejumeau de Kergaradec ist schon vomPlacentargerausch (souffle placentair) die Rede, und unter den Vortheilen,welche die Auscultation für die Praxis habe, ist angegeben, dass man daran er-kennen könne, wo die Placenta sitze. Die falsche Deutung und der falsche Namekonnten sich lange erhalten. Ritgen wies zuerst darauf hin, dass dieses Geräuschwegen der gleichen Frequenz mit dem mütterlichen Pulse nicht in der Placentaentstehen könne. Wenn auch diese Ansicht noch wiederholt von einzelnen Autorenangefochten wurde und verschiedene Vermutbungen auftauchten, z. B. dass es inder Art. epigastrica oder durch Druck der schwangeren Gebärmutter auf die Aa.iliacae zu Stande komme, so wurden solche Hypothesen doch endgültig widerlegtund die Lehre befestigt, dass es nur in den geschlängelten Arterien desUterus (Uteringeräusch) und zwar im Gefässstamm der Uterina, seltener in denoberflächlicher liegenden Aesten der A. spermatica interna entstehe. Gewöhnlichhört man es nicht auf der Seite, auf welcher der Rücken liegt, wo also dieUterinwandung mehr gespannt ist, sondern ziemlich regelmässig auf der Seite,die den kleinen Theilen der Frucht entspricht. Ein starker Druck auf die Bauch-wand bringt eine Modification des Geräusches hervor, starke Uterincontractionenmachen es fast regelmässig verstummen. Der directe Beweis, dass es im Uterusentstehe, geht namentlich aus der Publication Rotter's 2 ) hervor, indem bei einerLageveränderung des Uterus das Geräusch genau entsprechend seine Stelle änderte.Die Erfahrungen Rapin's 3 ), dass ein Druck auf pulsirende Cervicalarterien erstein Schwirren veranlasste, das bei stärkerem Druck wieder aufhörte, bestätigtebenfalls die Abhängigkeit des Geräusches von der Circulation in den Uterinarterien.Das Uteringeräusch wird gewöhnlich früher gehört als die Herztöne des Kindes.Spiegelberg konnte es gelegentlich schon in der 8. und 9. Woche wahrnehmen.Als Schwangerschaftszeichen ist es aber unsicher.
Das Nabelschnurgeräusch ist ein ähnliches Blasen, wie das Uterin-geräusch, aber isochron mit dem fötalen Puls. Es kommt oft neben reinen Herz-tönen vor, in anderen Fällen sind diese letzteren nicht zu hören. Die Stelle amAbdomen, an welcher es bei der Auscultation wahrgenommen wird, entsprichtgewöhnlich dem Rücken des Kindes. Ja in einzelnen Fällen war direct über denRücken weglaufend der Nabelstrang von aussen zu fühlen. Bidder erwähnt einensolchen Fall und ein gleicher ist auch dem Verfasser vorgekommen. Der Druckauf den Strang erzeugte ein den Herztönen isochrones Geräusch, das beim Auf-hören des Druckes wieder verschwand.
Die Entstehung des Nabelschnurgeräusches werden wir in ähnlichen Ver-hältnissen zu suchen haben, wie sie der Druck auf den Strang herstellt. Dementsprechend wird es entstehen durch Umschlingungen, bei einer Abknickung der
*) Prager med. Wochenschr. 12. 13. 29. 30. 1881.
2 ) Arch. f. Gyn. Bd. V. 1873. p. 539.
3 ) Correspondenzbl. f. Schweiz. Aerzte 1872, p. 546 u. Bull, de la Soc. vaud.de med. Lausanne 1875.