Aeussere Untersuchung. 101
Gr. Britain Nr. 30. Sept. 1875. p. 397, Walräf, Diss. Berlin 1873, Kreuzmann,Diss. Erlangen 1880, Ahlfeld, Berichte und Studien aus der Klinik in G-iessen,Zweifel, Arch. f. Gyn. Bd. 22, p. 491.
3) Zum Befühlen der Unterextremitäten und des Rückensmüssen die Hände und Finger mit der ganzen Volarfläche aufgelegtwerden. Das Eingraben der Fingerspitzen, besonders wenn die Nägelnicht geschnitten sind, veranlasst Schmerz und seitens der Frau reflec-torische Zusammenziehung der Bauchmuskeln. Um diese nach Mög-lichkeit zu entspannen, empfiehlt es sich, die Frau mit dem Kopf tiefzu lagern und sie durch alle möglichen anamnestischen Fragen zumSprechen zu veranlassen, um ihre Aufmerksamkeit abzulenken.
4) Zur Palpation des Kopfes muss man die Volarflächen aufdie Inguinalgegend und die Regio pubis legen, sich also umdrehenund dem Gesicht der Frau den Rücken zuwenden. An der verschie-denen Härte lässt sich bei Abwesenheit von Uteruscontractionen undeines gar zu starken Fettpolsters recht gut der Uebergang zur Schulterfühlen, und wenn man den oberen Rand der Symphyse abgrenzt, auchungefähr taxiren, wie weit der Kopf in den Beckeneingang eingetretenist. Nur über Feststand und Beweglichkeit des Kopfes erlaube mansich nach der Palpation von den Bauchdecken aus kein Urtheil, weilhäufig, wenn der Kopf scheinbar fest steht, das Touchiren zeigt, dassderselbe noch ballotirt.
5) Die fötalen Herztöne hört man da am besten, wo derRücken liegt. Es rührt dies davon her, dass feste Körper den Schallbesser leiten als Flüssigkeiten. Es kann also der Herzton eher vomKörper des Kindes fortgeleitet werden als vom Fruchtwasser. Danachsind auch einzelne Ausnahmen bedingt, wenn der Rücken nach hintenliegt. Zum Auscultiren ist ein Stethoskop bequemer. Wenn man aberdie Herztöne, da wo sie gewöhnlich zu hören sind, nämlich in derMitte eines Dreiecks, das man vom Nabel zur Spina ant.super, oss. ilei, von hier zur Mitte der Symphyse und zumNabel zurück gezogen denkt, nicht gleich findet, ist es practischer,das Ohr auf die mit einem Tuch bedeckte Bauchwand zu legen, weilman so die Herztöne rascher findet. Dass man ein Tuch auflege,gebietet Schicklichkeit und Reinlichkeit. Der Geburtshelfer soll sichbei jedem Geburtsfall zur Regel machen, die Frequenz der Fötal-töne zu vergleichen mit dem mütterlichen Radialpuls, um sich gegenTäuschungen sicher zu stellen. Es ist gelegentlich möglich, den sehrbeschleunigten mütterlichen Puls für Herztöne des Kindes zu halten,während dasselbe schon abgestorben ist. Das Zählen mit der Uhrist besser, als die blosse Abschätzung. Wenn irgend eine Gefahr fürdas Kind droht, so muss ganz regelmässig in kurzen Zwischenräumenvon 5—15 Minuten auscultirt werden. Im Durchschnitt beträgtdie Frequenz beim normalen Kind zwischen 130—144 Schlägen inder Minute. Allerdings bewegt sich dieselbe in viel weiteren Gren-zen — von 90—180, aber nur unter Störung des physiologischenZustandes.