1Q0 Stand des Fundus uteri.
und steht abwechselnd nahe am Rippenbogen und wieder in der Mittezwischen Nabel und Processus ensiformis.
Dies sind im Allgemeinen die WachsthumsVerhältnisse; doch sindsie, wie sich leicht begreifen lässt, kein Gesetz. Bei einem sehr grossenKind, resp. bei Zwillingen oder Hydramnion geht der Fundus uterinicht mehr zurück, wie unter normalen Verhältnissen. Dann bleibtauch bei engem Becken, besonders bei Mehrgeschwängerten, der Ge-bärmuttergrund häufig näher am Rippenbogen, weil das enge Beckendas Tiefertreten des Kopfes und des unteren Gebärmutterabschnittesverhindert.
Hier hat nur die Zeitbestimmung nach einzelnen Schwanger-schaftsmonaten Platz gefunden. Es ist noch möglich, Termine von14 Tagen auszumitteln, aber weiter geht die Genauigkeit bei der objec-tiven Untersuchung nicht. Was in dieser Richtung schon mit Mes-sungen mittels des Centimeterbandes oder des Tastercirkels versuchtworden ist, gibt keinen besseren Anhaltspunkt, als die seit alter Zeitgeübte Abschätzung nach einer sorgfältig ausgeführten Palpation.
Diese Abschätzung nach Fingerbreiten nimmt keine grössere Genauigkeit inAnspruch, als ihr gebührt. Dies entspricht der Wahrheit mehr als die Behauptung,dass man nach einer gewissen Anzahl von Centimetern die Zeitbestimmung „exacter"machen könne.
Alle bisherigen Versuche, durch Messungen mit dem Centimeterband oderMesscirkel grössere Genauigkeit zu erzielen, müssen als gescheitert betrachtetwerden. Man möge sich nur darüber Rechenschaft geben, was man eigentlichmisst, wenn man das Centimeterband um den Leib oder von der Symphyse biszum Gebärmuttergrund auflegt: man misst die Grösse der Leibesausdehnung,welche abhängen kann von einem grossen, insbesondere recht fetten, also schwerenKind, von Zwillingen, von viel Fruchtwasser, von starkem Panniculus adiposusder Bauchdecken. Wie sollen die einzelnen Zahlen Genauigkeit geben können,wenn dieselben von so vielen Factoren abhängen und diese Factoren individuellganz veränderlich sind?
In der That haben Zusammenstellungen ergeben (vergl. Arch. f. Gyn.Bd. XXII. p. 491), dass damit keine grössere Genauigkeit zu erzielen ist in derZeitbestimmung der Schwangerschaft. Auch aus dieser Messung ist nur ungefährdie Grösse des Kindes zu erkennen. Im Grund schliessen auch schon die Laienauf ein grosses Kind, wenn der Leib einer Schwangeren recht stark ist.
Die sogenannte Fruchtaxenmessung Ahlfeld's soll den Zweck haben,die Länge des Kindes und danach das Alter der Frucht resp. den Zeitpunct derSchwangerschaft zu erkennen. Wenn der Kopf eines Kindes ziemlich fest auf demBeckeneingang steht und dadurch dem untern Knopf des Tastercirkels ein festerPunkt geboten wird, gibt diese Messung ziemlich genau die halbe Kindes-länge. Dass aber bei nicht feststehendem Kopf resp. Mehrgeschwängerten dasdirecte Maass (mit dem Beckenmesser) vom obern Symphysenrand bis zum Fundusuteri ebenfalls die halbe Kindeslänge ergebe, wie Ahlfeld angenommen hat, istnicht richtig. Auch die intrauterine Längenbestimmung bei feststehendem Kopfhat deswegen keine oder wenig practische Bedeutung, weil da, wo auf die Grössedes Kindes viel ankommt, also bei künstlicher Frühgeburt oder bei engem Becken,der Kopf gerade nicht feststeht und dann die Messung unzuverlässig ist. Wer sichfür diese Frage weiter interessirt, vergl. Hecker, Klinik der Geburtskunde. II. Thl.1864. p. 5, Spiegelberg, Programm Regimonti 1865 u. M. f. G. Bd. 82. 1868.p. 270-272, Ahlfeld, Arch. f. Gyn. Bd. II. 1871. p. 353, Runge, Die Bestimmungd. Grösse d. Kindes vor d. Geb. Diss. Strassburg 1875, Sutugin, Obstetr. Journ.