Aeussere Untersuchung. 97
Stets muss die äussere Untersuchung der inneren voran-gehen. Sie muss, weil die innere stets eine viel grössere Ge-fahr, auch weit grössere Unannehmlichkeit für die Frau insich birgt und dem Arzt eine weit grössere Verantwortlich-keit überträgt, aufs genaueste geübt und auf sie eine be-sondere Schulung verwendet werden.
a) Die äussere Untersuchung
besteht in der Inspection, Palpation und Auscultation des Abdomensund Untersuchung der Brüste. Am bequemsten kann man sie ausführenbei einer horizontal liegenden Frau. Theilweise ist zwar die Unter-suchung auch bei der stehenden möglich, aber nur unter grossen Un-bequemlichkeiten für den Untersucher. Die Inspection und Auscultationist dabei unthunlich, die Palpation sehr erschwert. Die Seiten- oder Knie-ellenbogenlage bieten nur selten Vortheile.
Dass man bei der ganzen Untersuchung niemals die Rücksichtenauf die Schamhaftigkeit verletze, versteht sich von selbst. Wenn wirdiese Erinnerung geben, so geschieht es nur, um vor deren Nichtachtungzu warnen. Aber über das „Wie" braucht man keine Worte zu ver-lieren. Denn die Vorschriften über ärztlichen Tact und menschlichesZartgefühl sind nur Ergebnisse einer guten, allgemeinen Erziehung —darum wären Worte dem Einen vollkommen überflüssig, dem Anderenvollkommen nutzlos. Wer nicht die Eigenschaft besitzt, dies durchBeispiel und eigenen Tact rasch zu lernen, wird es nie durch Worte ge-winnen können.
Zur äusseren Untersuchung wird das Abdomen entblösst, dieGenitalien aber bedeckt gehalten. Zunächst wendet der Untersuchendeder Frau sein Gesicht zu und achtet darauf:
1) ob die Schwangerschaftsnarben frisch oder alt seien, wennsolche überhaupt bestehen;
2) auf den Stand des Gebärmuttergrundes —- Fundus uteri;
3) wo die kleinen Theile (Unterextremitäten) und wo ein grössererKindestheil (gewöhnlich der Steiss) und.
4) ob auf der rechten oder linken Seite eine vermehrte Resi-stenz (der Rücken) zu fühlen sei.
Dazu kommt noch:
5) die Palpation des Kopfes, der gewöhnlich dicht über der Sym-physe zu fühlen und durch die grössere Härte und die Rundung zuerkennen ist, und
6) die Auscultation der fötalen Herztöne, des Uterin- und eventuelldes Nabelschnurgeräusches.
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Von den Schwangerschaftsnarben und deren Bedeutung ist schonunter den Symptomen der Gravidität die Rede gewesen. ■
Die weissen Streifen und besonders die vorhandenen feinen Querfältchen sindein ziemlich sicheres Zeichen einer vorausgegangenen Schwanger-schaft, wenn zur Zeit der Untersuchung der Leib nicht ausge-Zweifel, GeburtsMlfe. 2. Aufl. ?