94 Schwangerschaftsberechnung.
nung erklärt, dass man vom 1. Tag der letzten Regel 3 Monate zurück-zahlt und 7 Tage addirt, um den Tag der Geburt auszurechnen. Eigentlichmüsste man demnach auf die einzelnen Monate, speciell den Februar Rücksichtnehmen, und dies geschieht auch in der That in den Schwangerschaf'tskalendern.
Wir erklären also die gewöhnliche Schwangerschaftsberechnungnur als Consequenz zwischen mittlerer Schwangerschaftsdauer und Ka-lenderjahr und verwerfen die oft gebrauchte Erklärung, dass 7 Tageaddirt werden, weil am 7. Tage gewöhnlich die Conception erfolge.
Es heisst dies mit einem unbekannten Factor rechnen; dennden Moment der Conception können wir beim Menschen gar nicht er-forschen.
Die Fehlerquellen, welche oben angeführt wurden, sind, dass sichdie Periode während der Gravidität gelegentlich noch 1—2 Mal ein-stellt. Die betreffenden Personen machen dann von selbst die An-gabe, dass die Blutung schwächer und von kürzerer Dauer war. Die2. Fehlerquelle kommt dadurch zu Stande, dass die Befruchtung imMoment des Platzens eines Graafschen Follikels stattfinden und des-wegen die Menstruation gleich ausbleiben kann. Von einzelnen Autorenist dieser Moment der Conception als der häufigst eintretende be-zeichnet worden und die Zusammenstellung von His über die mensch-lichen Embryonen spricht für deren häufiges Vorkommen. Die Frauwäre danach schwanger, wenn die Periode zum ersten Malausgeblieben ist. Thatsächlich ist die allgemeine Auffassung so:die Frauen richten sich ganz nach der Periode. Bleibt diese aus, sohalten sie sich für schwanger. Solche Frauen rechnen aber von derletzt dagewesenen Blutung und erwarten das Kind 4 Wochen früher.Für die Schwangerschaftsberechnung gibt das die unverhältnissmässiglange Dauer, die sog. Spätgeburten. Daneben kommen aber noch genugAbweichungen von der Kegel vor, die sich durch die zwei erwähntenFelllerquellen nicht erklären lassen und deren Ursachen noch als un-bekannt bezeichnet werden müssen. Sicher ist auch eine individuelleVerschiedenheit vorhanden, was bei Thieren ebenfalls vorkommt, wodie Geschlechtsthätigkeit doch einen streng gesetzlichen Charakter hat.Es haben alle biologischen Gesetze relativ weite Grenzen, deswegenkönnen auch die grossen Schwankungen der Schwangerschaftsdauerkeineswegs überraschen.
Die Kenntniss der Schwangerschaftsdauer ist für den Arzt so wichtig, dasswir es für unbedingt nothwendig erachten, nach Möglichkeit die feststehendenRegeln anzugeben. Wenn wir auch vollauf anerkennen, dass darin mancherleischwankt, halten wir es für den Praktiker dennoch als unentbehrlich, an derallgemeinen Regel festzuhalten, so lange ihre Unrichtigkeit nicht strict bewiesenist. Das ist aber nicht der Fall; auch die neuesten Berechnungen ergeben eineDurchschnittsdauer von annähernd 280 Tagen, von der letzten Menstruation weggerechnet.
Die Schwangerschaftsdauer hängt zusammen mit der Lehre der Ovulationund Conception, in welchem Abschnitt das erforderliche bereits gesagt ist. Wesent-lich veranlasst und gestützt durch die Befunde der Uterusschleimhaut zur Zeit derMenstruation, wie sie kurz voran von Kundrat und Engelmann aufgestellt