Schwangerschaftsberechnung. 93
Conceptionstermin etc. Dorpat 1881, — Veit, X: Z. f. G. u. G. Bd. VIII. p. 234.— Hensen: Physiologie der Zeugung. Hemiann's Handb. p. 73. — His: Ana-tomie menschl. Embryonen. Bd. II. p. 74. 1882.
Fragt man einen Laien nach der Dauer der Schwangerschaft, soerhält man, falls er überhaupt etwas davon weiss, die Antwort 9 Monate,und zwar Kalendermonate. Die tägliche Erfahrung, dass junge Ehepaaregerade 9 Monate nach der Hochzeit mit Nachkommenschaft gesegnetzu werden pflegen, spricht klar genug für die Laienmeinung.
Neun nacheinanderfolgende Kalendermonate ergeben zwischen 273und 276 Tagen, und die Dauer der Schwangerschaft vom befruchtendenBeischlaf an gerechnet, schwankt nach den verschiedenen Autoren von270—276 Tagen. Es ist also gar nicht unrichtig, 9 Kalendermonatezu rechnen, wo man den befruchtenden resp. den ersten Beischlaf alsAusgangspunkt der Berechnung nehmen kann.
Man hat früher geglaubt, durch eine recht grosse Zusammenstellung solcherFälle mit genau bekanntem fruchtbaren Coitus eine bessere Kenntniss von derDauer der Schwangerschaft gewinnen zu können — man hat sich aber getäuscht.Die Mittelzahlen liegen einander wohl ganz nahe; aber die Minima und Maximazeigen unerklärlich grosse Unterschiede.
Schlich ting fand vom fruchtbaren Coitus an eine Dauer im Mittel von270 Tagen; Heck er 272,69; Ahlfeld in der Poliklinik 272,82; in der Klinik268,68; Gustav Veit 276,42 Tage. Aber die Dauer schwankte z. B. bei Schlich-ting zwischen 236 und 334 Tagen.
Nun ist aber bei den meisten Frauen eine Berechnung nach demfruchtbaren Beischlaf nicht möglich und muss bei ihnen nach demAusbleiben der Menstruation gerechnet werden.
Gewöhnlich beträgt die Dauer vom 1. Tag der zuletzteingetretenen Periode bis zur Geburt 280 Tage.
Merkwürdig genug ist es, dass mit ganz geringen Abweichungen dieselbeDurchschnittszahl (40 Wochen) von allen Autoren ausgerechnet wurde, selbst wenndie Schwankungen für einzelne Fälle ganz bedeutend waren. Und mit um so mehrSicherheit kam die angegebene Schwangerschaftsdauer heraus, je grössere Zahlen-reihen der Berechnung zu Grunde gelegt wurden.
Die älteste solcher Berechnungen stammt von Fortunato Fidele inPalermo aus dem Jahr 1630. Bis dahin (Hippokrates, Aristoteles, Celsus u. s. w.)nahm man die Dauer der Schwangerschaft als individuell schwankend an.
Die Constanz der Dauer von ungefähr 280 Tagen, die man aus Zweckmässig-keitsgründen in 10 S ch wangerschaftsmonate von je 4Wochen eintheilt,ist sicherlich höchst bemerkenswerth und wenn die einzelnen Schwankungen gelegent-lich an der Gesetzmässigkeit stutzig machen, so vergesse man nicht, dass die Aus-nahmen nur beweisen, dass es mehr Fehlerquellen gibt, als wir genau kennen, die-selben aber bei recht grossen Zahlen sich gegenseitig compensiren. Aus der Differenzzwischen Schwangerschaftsdauer und Kalenderjahr ergibt sich höchst einfach underklärlich die gewöhnliche bequeme Berechnung. Nehmen wir den 1. Januar alsAnfangstag der letzten Menstruation an, so muss die Geburt, falls sie genau aufden 280. Tag eintrifft, 85 Tage vor dem 1. Januar des folgenden Jahres stattfinden(365 — 280 = 85). Bloss zur Vereinfachung der Rechnung zählt man statt einzelneTage 3 Monate zurück. Dies sind für die Monate December, November, October92 Tage. Da also 7 Tage damit zu viel zurückgezählt werden, ergibt sich dienothwendige Correctur, 7 wieder zu addiren. Damit ist die gewöhnliehe Berech-