Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

92 Schwangerschaftsberechnung.

raschen Bewegungen u. dergl. einstellt. Es ist schon pathologisch undernst aufzufassen, wenn eine Frau nach jeder Mahlzeit erbricht, weildann eine Schwächung nicht lange auf sich warten lässt.

Der Harn enthält nicht selten Eiweiss, besonders in der letztenZeit. Dies ist stets als pathologisch zu betrachten, wenn es auch oftnur von einem ungefährlichen Katarrh der unteren Harnwege stammt.Wo sich Zucker vorfindet, ist dieser aus der Brustdrüse resorbirt,folglich Milchzucker. Selbstverständlich kann auch ein richtiger Diabetesmellitus bei Schwangerschaft bestehen. An der Schädelinnenfläche,wo man gewiss am wenigsten Veränderungen in Folge von Graviditäterwarten musste, fand Rokitansky eine Knochenauflagerung (daspuerperale Osteophyt). Es sind flache Knochenlamellen, 24 mmdick, welche längs der Arteria meningea media und des Sulcus falci-formis sich anlegen und dem Knochen fester adhäriren als der Hirn-haut. Es kommt das Osteophyt fast bei der Hälfte aller Schwangern,doch nur in der zweiten Hälfte und vorzugsweise bei jugendlichen Indivi-duen vor. Störungen verursacht es nicht und scheint später wiederzu verschwinden. Sicher ist es dafür beweisend, dass während derSchwangerschaft viel gelöste Kalksalze im Blut kreisen.

Von den subjeetiven Erscheinungen, also den Schwanger-schaftsbeschwerden, Hesse sich nun ein ganzes Buch schreiben. Nament-lich bei den besser situirten Frauen zieht oft ein ganzes Heer davonauf. In der ersten Zeit sind es Harndrängen und Erbrechen, später-quälende Kreuzschmerzen, welche namentlich beim Gehen lästigwerden. Von den Zahnschmerzen, perversen Gelüsten etc. macht manheut zu Tage wenig Aufhebens, weil man sich überzeugt hat, dasssolche Beschwerden bei sonst gesunden Zähnen und bei gesunder Psychezu selten vorkommen, um dieses in das Bereich des Physiologischeneinzubeziehen. Wir meinen hiermit allerdings nicht die Gelüste inBeziehung auf das Essen, die thatsächlich vorkommen, sondern dieKleptomanie etc. etc.

Inhaltsübersicht.

Die Veränderungen im mütterlichen Gesammtorganismus bestehen inBildung der Schwangerschaftsnarben, Pigmentationen der Linea alba, desBrustwarzenhofes, seltener in solchen der äusseren Genitalien und im Ge-sicht; in der Vermehrung und Verwässerung des Blutes; in der Fett-zunahme; in der Herzhypertrophie, dem morgendlichen Erbrechen unddem puerperalen Osteophyt.

Die Dauer und Berechnung der Schwangerschaft.

Literatur.

Veit, G.: Verb. d. Ges. f. Geburtsb. in Berlin. 1853. Heft 7. p. 102. Abi-feld: M. f. G. Bd. 34. p. 180 u. 266. Loewenbardt: A. f. G. Bd. III. p. 456. Hasler: Ueber d. Dauer d Schw. Diss. Zürich 1876. Müller, A.: De lagrossesse uter. Paris 1878. Schlichting: A. f. G. Bd. XVI. p. 210. Holst: