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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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des Herzens, Verdauungsapparates und Harns. 91

nähme constatiren konnte, so ist es fraglich, ob sich die Abnahmenicht überhaupt innerhalb der Fehlergrenze der Zählungsmethode be-findet. Die Blutveränderungen bestehen also in stärkerer Füllung desganzen Gefässsystems und gleichzeitiger Verdünnung des Blutes (SerösePlethora", Kiwi seh).

Solche Veränderungen des Blutes erklären auch manches Symptom,vor allem die bisweilen auftretendenfliegenden Schwellungen" am Ge-sicht u. s. w., auch da, wo keine Nierenerkrankung besteht.

Schon durch die früheren Untersuchungen französischer Autoren waren dieBlutveränderungen höchst wahrscheinlich gemacht, insbesondere durch die Arbeitenvon Andral, Gavarret und Delafond, Annales de chymie et de physique.Juillet 1842. Durch die mit bewundernswerther Ausdauer und Sorgfalt durchge-führten Forschungen Nasse's ist diese Frage bestätigend entschieden und selbstdas einzig übrig gebliebene Bedenken gehoben, dass nicht Reihen von Blutunter-suchungen am gleichen individium vor und während der Gravidität gemacht wor-den seien.

Während der Wassergehalt bei Frauen nach Becquerel und Rodier 1 )791,10 betrug, gibt Nasse bei Schwangeren als Durchschnitt 802,40 °/o an. Nochdeutlicher und regelmässiger trat die Verdünnung im Blut der Hündinnen ein. DieDetails vergl. Arch. f. Gyn. Bd. X. p. 338 u. ff.

Das Herz bekommt durch die Erhöhung des intraabdominalenDruckes eine Arbeitsvermehrung. Die Folge ist eine leichte excen-trische Hypertrophie des linken Ventrikels, und diese Druckerhöhungerklärt vollauf manche Circulationsstörung hn späteren Verlauf derGravidität (Herzklopfen, Schwindelaffectionen und Congestionen nachdem Kopf).

Die Schilddrüse wird grösser, doch selten und nur aus besondererDisposition daraus ein Kropf.

Die Lungen behalten ganz dieselbe vitale Capacität; es wird alsoder Brustraum nicht verengt, obwohl das Zwerchfell höher steigt. DieThoraxbasis wird verbreitert, nimmt hingegen nicht im entsprechendenMaasse von vorn nach hinten zu.

So oft auch das Erbrechen Schwangere quält, so ist doch nichtzu sagen, dass Gravidität eine wesentliche Veränderung des Ver-dauungsapparates bedingt. Was zum Magen gelangt, wird ver-daut wie immer. Mit einem Druck auf den Magen seitens des Uterushängt das Erbrechen nicht zusammen. Das häufig vorkommende, fastphysiologisch zu nennende Erbrechen besteht nur in den ersten 3 bis4 Monaten, während eine mechanische Compression des Magens nur inder letzten Zeit denkbar ist. Aus den Blutveränderungen lässt sichdiese Störung auch nicht erklären, weil diese Aenderungen erst ein-treten, wenn das Erbrechen aufzuhören pflegt. Becquerel und Rodierfanden in der ersten Zeit der Schwangerschaft das Blut nicht weiterverändert. (Vergl. unstillbares Erbrechen.)

Uebrigens stört das Erbrechen die meisten Frauen nicht stark,weil es sich gewöhnlich nur Morgens im nüchternen Zustande, bei

*) Recherches sur la composition du sang. Gaz. med. de Paris 1844. p. 757.