90 Die Veränderungen des Blutes,
hängt auch hier die Pigmentablagerung mit dem allgemeinen Pigment-gehalt zusammen. Als Schwangerschaftszeichen kann man aber dieVerfärbung nur vom Nabel aufwärts bis zum Schwertfortsatz geltenlassen. Es gibt eine grosse Zahl brünetter Virgines intactae, welcheeine ausgesprochene Pigmentation vom Nabel zur Schamfuge besitzen.Noch eine Körperstelle erleidet während der Gravidität Pigmenteinlage-rung, nämlich das Gesicht und darin vorzugsweise die Stirne, Chloasmauterinum. Auch hier gilt die Regel, dass bei dunklem Teint dieFärbung um so stärker ist..
An den Bauchdecken und um die Beckengegend setzt sich währendder Gravidität sehr viel Fett an. Dies veranlasst gerade bei Schwangerendie Empfindung, als ob die Taille zu eng würde und bedingt inden späteren Monaten die auffallende Verbreiterung der Glutaeal-gegend.
Mit der Ausdehnung des Leibes hängt auch die veränderte Körper-haltung und Gangart zusammen. Der Schwerpunkt wird bei Hoch-schwangeren mehr nach vorn gelegt, und um dem Vornüberfallen zubegegnen, muss die Schwangere Brust und Kopf nach rückwärts legen.Im Gesammtorganismus sind die wichtigsten Verände-rungen die Hydrämie und die Vermehrung des Blutes,die Störungen im Digestionsapparat und das puerperaleOsteophyt (Rokitansky). Vieles spricht dafür, dass in derSchwangerschaft eine vermehrte Blutbildung existire. An der allge-meinen Körperzunahme, die Gassner für die drei letzten Monate derSchwangerschaft nachgewiesen hat und die mehr beträgt als die Zu-nahme des Eies und der Gebärmutter, muss selbstverständlich dasBlut auch participiren. In der That haben auch Spiegelberg undGscheidlen eine Vermehrung des Blutes in der zweiten Hälfte durchExperimente an Hunden nachgewiesen.
Die Zunahme des Körpergewichtes wurde von Gassner im 8. Monat auf2,4 kg, im 9. auf 1,69 und im 10. auf 1,54 kg berechnet. Bei geringerer Zunahmeoder gar Abnahme des Gewichtes handelte es sich um „gestörte Nutrition". Höchstbemerkenswerth ist Gassner's Angabe, dass beim Verweilen der faultodtenFrüchte in utero in 8—14 Tagen 3mal nennenswerthe Gewichtsabnahmen(2—3kg) beobachtet wurden. M. f. G. Bd. 19.
Spiegelberg und Gscheid 1 en's Bestimmungen wurden nach der modi-ficirten Welk/er'schen Methode (Kohlenoxyd-Hämoglobin) an Hündinnen gemacht.
Neben Symptomen vermehrten Blutgehaltes tragen Schwangereauch Zeichen der Blutverdünnung. Französische Autoren, Andral,Gavarret, Delafond, Becquerel, Rodier und Reignauld, wieauch in neuester Zeit Nasse haben eine Verarmung des Blutesan Hämoglobin 1 ) und Eiweiss und dagegen eine Zunahmevon weissen Zellen, Fibrin und Wasser constatirt. WennIngerslew bei der Zählung der rothen Blutkörperchen keine Ab-
') Vergl. die Arbeiten von Fehling, A. f. G. Bd. 28. p. 453 und Paul J.Meyer, A. f. G. Bd. 31. p. 151 u. ff., die einander widersprechende Ergeb-nisse hatten.