Veränderungen im Gesammtorganismus. 89
Zur Constatirung des Symptoms geht man mit dem Zeigefinger in das Rectumein und drängt den Daumen per vaginam an die Portio vaginalis. Zum Abtastendes unteren Uterinsegmentes drückt die andere Hand über der Symphyse her dieBauchdecken ein. Es wird nun die Compressibilität des unteren Uterinsegmentesim Vergleich zu den Seiten und dem Corpus uteri geprüft.
Vergl. Reinl, Prager medicin. Wochenschr. 1884. Nr. 26 und Comp es,Berliner Min. Wochenschr. 1885. Nr. 38.
Inhaltsübersicht.
1) Das wesentliche hei der Veränderung der inneren Genitalienbesteht in einer Schicellung, Auflockerung und grösseren Blut- und Saft-fülle der einzelnen Organe. Von besonderem Interesse ist die Entfaltungder Faserzüge der Gebärmuttermuskulatur.
2) Ovulation und Menstruation hören auf.
3) Die Scheide nimmt eine weinhefenähnliche, bläulich-livide Fär-bung an.
4) Die Brüste beginnen zu secerniren. Es lässt sich schon von denersten Monaten an etivas Flüssigkeit ausdrücken (Colostrum), es bräuntsich der Warzenhof und treten die Glandulae lactiferae aberrantes hervor.
Veränderungen des mütterlichen Gesammtorganismus.
An den Bauchdecken entstehen in Folge der starken DehnungStreifen, die man als subcutane Continuitätstrennungen auffasst.Sicher ist, dass die sog. Striae gravidarum ganz das Aussehen vonNarben darbieten und im Verlauf auch ihr Aussehen ähnlich ändern.Im frischen Zustande, wo diese Dehnungen erst wenige Wochen altsind, haben sie eine rosarothe Farbe wie Narben gleichen Alters 1 ).
Und wenn ein Jahr oder mehrere darüber vergingen, nehmen dieStreifen eine weisse Farbe (Sehnenglanz) und eine feine Querfälte-lung an. Bei vielen Frauen treten keine Streifen auf, wahrscheinlichwegen grösserer Dehnungsfähigkeit (elastische Faser) der Haut odergeringerer Ausdehnung derselben. Sie fehlen nach Credo - in 10°/ 0;nach Heck er in 6 °/ 0 aller Schwangeren.
Die Streifen sind eine Folge rascher Dehnung und für die Gravidität einnebensächliches Symptom. In gerichtsärztlichen Fällen kann aus dem Fehlennicht der Schluss gezogen werden, dass eine Schwangerschaft nicht stattgefundenhabe, noch ist es möglich, damit sicher zu beweisen, dass die Betreffende schoneinmal schwanger gewesen sein müsse. Es können die Streifen auch durch Ovarial-kystome entstehen. Für Schwangerschaft sprechen sie nur, wenn solche Veran-lassungen anderer Art auszuschliessen sind. Solche Streifen kommen auch an denOberschenkeln von Nulliparen in 36%, bei Männern in6°/ oVOr - Schultze erklärtdies durch die bedeutendere Zunahme und relative Raschheit der Fetteinlagerungzur Zeit der Pubertät.
Vom Nabel zur Schamfuge und aufwärts zum Schwertfortsatz wirddie Mittellinie pigmentirt, die Linea alba eine Linea nigra. Es
] ) Vergl. Marie Schlee, Z. f. G. u. G. XIII. H. 1 u. C. f. G. 1887. p. 305.