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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
64
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ß4 Die Nabelschnur.

trächtigen Thier ins Blut gebrachte incligschwefelsaure Natron im Frucht-wasser zu finden war, während es in dem Fötus vermisst wurde.

Die merkwürdigste Erscheinung war, dass bei den Versuchsthieren(Kaninchen), so lange dieselben in der ersten Hälfte der Tragzeit waren,so gut wie nichts vom Farbstoff ins Fruchtwasser überging; je näheram Ende, um so reichlicher der Uebertritt von Farbstoffen war.

Gerade der Befund von Fruchtwasser bei der Extrauterinarra-vidität, wo keine Decidua gegeben ist und die Umhüllung oft nur ausVerwachsungsmembranen mit den Darmschlingen bestehen, spricht deut-lich für eine Abstammung des Transsudates vom Fötus.

Die Bedeutung des Fruchtwassers besteht wohl darin, dem Kindeine normale Ausbildung und ausgiebige Bewegungen zu gestatten. DerWerth desselben wird gerade leicht durch diejenigen Fälle klar gemacht,wo man bei geringer Menge Verwachsungen, Verkrümmungen oder anderemangelhafte Ausbildungen der kindlichen Extremitäten bemerkt.

Die Nabelschnur.

Das Aussehen der Nabelschnur berechtigt vollständig zu ihremNamen. Es ist ein Gebilde, das in Spiralen verläuft und zwar meistensvon links gewunden, d. h. vom Nabel aus nach der Placenta hingesehenin umgekehrter Richtung zum Gang der Uhrzeiger. Die Zahl der Win-dungen wechselt von J / 4 his 40.

Im Nabelstrang verlaufen zwei Arterien und eine Vene (Ar-teriae und Vena umbilicalis). Auf Durchschnitten ist auch schon makro-skopisch der epitheliale Theil der Allantois zu erkennen. Die Ent-wicklungsgeschichte der Eihüllen gibt uns Aufschluss über die einzelnenBestandtheile und deren Bedeutung. Die Allantois war es, welche alsBlase aus dem hinteren Körperende an die Eiperipherie herauswuchs.

Von der Allantois rührt auch das Bindegewebe des Nabelstrangs,die Wharton'sche Sülze, her.

Die Amnionscheide ist mit dieser Sülze fest verwachsen.

Der Nabelstrang hat keine Gefässe, keine Vasa propria und keineNerven. Seine Ernährung muss also durch Saftströmung aus den Um-bilicalgefässen geschehen.

Die beiden Nabelarterien sind directe Fortsetzungen derTheilungsstelle der Aorta, später Aeste der Art. hypogastricae.Dieselben drehen sich sofort vom Nabel an in Spiralen auf, wodurchschon dicht über dem Nabel eine Kreuzung der beiden Gefässe entsteht.

Ausser den Spiralen des gesammten Nabelstranges ist jedes ein-zelne Gefäss aufgedreht. Wahrscheinlich als Folge derselben bildensich an der Gefässinnenwand Duplicaturen, die den Namen Klappenzwar erhalten haben, aber nicht verdienen (Valvulae Hobokenii). DieVene zeigt an Stelle dieser Klappen an der Aussenwand Furchen undKnickungen.

Die Arterien selbst sind mit einer sehr starken Muscularis ver-