Die Ursache des Geschlechtes.
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erkennen, ist überhaupt fraglieh; dass sie aber, wenn zu erkennen, doch sicher demindividuellen Willen entrückt sei, ist der Weisheit des Schöpfers sicher zu ver-trauen. Auch Hypothesen fördern wissenschaftlich interessante Thatsachen zu Tage.Um dieser willen und wegen des allgemeinen menschlichen Interesses, das dieseFrage erregt, wollen wir darauf kurz eingehen.
Die älteste uns schriftlich erhaltene Vorstellung (Hippokrates und Galen)nahm an, dass der rechte Eierstock die Knaben, der linke die Mädchen erzeuge.Diese Auffassung hört sich aber an wie ein schlechter Witz, wenn zur Ausnützungsolcher Weisheit der Rath ertheilt wurde, die Frau müsse sich, wenn sie einen Knabenwünsche, beim Coitus auf die rechte, anderenfalls auf die linke Seite legen. Unddoch haben noch vor 100 Jahren wissenschaftliche Männer solche Thorheit ernst-haft genommen (Henke 1786).
Bei der Hippokratischen Vorstellung kann man als vernünftigen Grundge-danken herauslesen, dass das Geschlecht schon im Eierstock präfonnirt sei. Be-stimmter ist diese Ansicht von B. S. Schultze dahin gefasst worden, dass esmännliche und weibliche Eier gebe. Die Begründung dieser Ansichtentnimmt Schultze den Erfahrungen über das Geschlecht von Zwillingen. Ergeht von der Annahme aus, dass Zwillinge mit frappanter Aehnlichkeit aus einemEi mit 2 Keimbläschen stammen. Da in solchem Falle eine doppelte Be-fruchtung stattfinden könne, wobei 2 oder mehr Spormatozoen im Spiele seien,müsse die Grundursache des Geschlechts im Ei gesucht werden. Würde das Ge-schlecht an den Samenzellen liegen, so müsste es der Zufall doch verschiedentlichmit sich bringen, dass solche Zwillinge verschiedenes Geschlecht hätten. Das istaber bei eineiigen Zwillingen nie der Fall, wodurch der obige Schluss ganz ge-rechtfertigt erscheint.
Aber er ist es doch nicht; denn seine Prämisse ist unrichtig. Erstens be-merkt Hensen p. 203, müsste bei 2 Keimbläschen eine getrennte Furchungstattfinden und müssten 2 Chorien entstehen. In 2 Chorien ist aberauch das Geschlecht schon von jeher verschieden gefunden worden. Der Haupt-einwand dagegen ist jedoch die schon früher verrnuthete und neuerdings ganzwahrscheinlich gemachte Entstehung solcher ähnlicher Zwillinge von gleichemGeschlecht aus einer doppelten Anlage der Keimscheibe.
Soviel Hypothesen man bisher aufgestellt hat, so viele haben sich immer zumSchluss als nicht stichhaltig erwiesen, so auch das sogenannte Hofacker-Sadler-sche Gesetz: wonach 1) wenn der Mann älter ist als die Frau, die Knaben-geburten überwiegen; 2) bei gleichem Alter von Mann und Frau wenigerKnaben als Mädchen zur Welt kommen, und dieses letztere Verhältniss noch aus-gesprochener ist, wenn 3) die Frau sogar älter ist als der Mann. Wie wenigdieses Gesetz stimmt, möge die Zahlenreihe Oesterlen's') zeigen. Auf je 100Mädchen kommen Knaben:
Name des Autors.
Vater
älter
als
Mutter.
Vater
und
Mutter
gleich
alt.
Mutter
älter
als
Vater.
Bei allenGeburtenüber-haupt.
Zahlderunter-suchtenFälle.
^^i Paris......
117,8121,4108,2109,9104,499,7103,9
92,0
94,8
93,3
107,9
102,1
103,1
90,6
86,5
82,6
101,6
97,5
116,0
117,6
107,5114,7105,3107,9102,9103,5106,6
19962068458460065231140008084
*) Handbuch der med. Statistik. Tübingen 1874.