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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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30 Der Ort der Befruchtung.

gerade in Rücksicht auf die Schwangerschaftsberechnung eher an eine endgültigeLösung, als an eine Bestätigung des Widerspruchs glauben.

Der Ort, wo die Befruchtung stattfindet, ist beim Menschennicht sicher bekannt. Bei Thieren geschieht sie nachgewiesenermassenin den Tuben. Dass sie auch beim Menschen im Oviduct, ja nochweiter zurück auf dem Ovarium u. s. w. stattfinden könne, beweisendie Fälle von Extrauteringravidität, und dass sie in der Regel in derTube stattfinde, ist daraus zu schliessen, dass auch beim Menschengleich wie bei Thieren Spermatozoen sehr bald nach dem Coitus inden Eileitern gefunden wurden 1 ).

Wenn es auch richtig ist, dass die Seltenheit der Extrauterin-graviditäten eher dafür spricht, dass die Conception nur ausnahmsweiseund nicht als Regel im Oviduct geschieht, so sind dafür doch vielmehr Anhaltspunkte gegeben, als für die Hypothese Löwenthal's, diejedoch nicht einmal neu ist, dass die normale Stelle für die Befruchtungdie Gebärmutter sei. Löwenthal kann sich für seine Hypothese that-sächlich nur auf jene wenigen Fälle berufen, wo Eier in der Gebär-mutter gefunden wurden. *

Die Aufnahme des Eies in die Tube und seine Fort-bewegung bis zur Gebärmutter geschieht durch die Flimmer-bewegung der Epithelzellen 2 ).

Am bestimmtesten wird die Bewegungskraft der Flimmerungdargelegt durch die sogenannte äussere Ueberwanderung desEies. Es gelangt dabei ein Ei, das von dem Ovarium der einen Seitestammt, in den Oviduct der anderen Seite.

Fälle, welche diese äussere Ueberwanderung beweisen, sind inziemlich grosser Zahl veröffentlicht worden. Greifen wir ein Beispielheraus. Oldham und Wbarton Jones fanden bei einer Schwanger-schaft ausserhalb der Gebärmutter und zwar in der linken Seite desAbdomens das Corpus luteum in dem rechten Eierstock. Das Fransen-ende der rechten Tube war verschlossen und zwar durch alte Ver-wachsungen. Also hatte das Ei seinen Weg vom rechten Eierstockzum linken Eileiter nehmen müssen. Ganz ähnlich lautet der Fall vonRokitansky. Das Ei hatte wie gewöhnlich seinen Sitz im Uterusgehabt und der gelbe Körper war im linken Eierstock. Die linkeTube war in einer Länge von fast 2 Zoll vollständig verödet, die rechtehingegen durchgängig. Also musste das Ei auch hier innerhalb derBauchhöhle einen Umweg gemacht haben.

Solche Wege kann aber das Ei nicht durch Eigenbewegung zurück-legen. Mag es auch sein, dass man sich damit im Irrthum befindet,

') In den Tuben eines Freudenmädchens, welches mit einem Manne in actudurch Kohlenoxyd erstickte und einige Stunden danach in positione aufgefundenwurde, fand Birch-Hirschfeld bei der ungefähr 1416 Stunden später vorge-nommenen Section noch lebende Samenzellen.

2 ) Vergl. Pinner, der in die Bauchhöhle fremdartige Stoffe brachte unddieselben durch die Tuben und Gebärmutterhörner in die Scheide wandern sah.Centralbl. f. Chirurg. 1880. Nr. 16.