28 Zusammenhang zwischen
haben, eher darüber, dass im wesentlichen noch eine Bestätigung desbiologischen Gesetzes herauskommt.
Die Uebertragung der oben erwähnten Thatsachen auf denMenschen würde zunächst eine Periodicität der Ovulation er-geben, die ungefähr mit der Menstruation zusammenfällt. Trotz derCoincidenz beider Vorgänge ist aber die Ovulation nicht als die Ur-sache der Menstruation aufzufassen, vielmehr sollten beide die Folgeeiner periodischen Blutüberfüllung der inneren Geschlechtsorgane sein.Die Pflüger'sche Theorie (4) stellte dies so dar, dass das Wachsender einzelnen Graafschen Follikel auf die Ovarialnerven einen Reizausübe. Die Summe der einzelnen kleineren Reize bewirke eine Ge-fässerweiterung, eine active Congestion, also die erste Menstruation.Wenn aber einmal der Reflex ausgelöst worden, so genüge das Aus-wachsen je eines Follikels, um den Reiz auf die Nerven zu erneuern,die neue Congestion zu bedingen, also die neue Menstrualblutung wach-zurufen.
Solche Theorien greifen oft absichtlich den Thatsachen vor, umdie Beobachtungen auf einen bestimmten Gesichtspunkt zu lenken.Gewiss hat diese Theorie die Vorgänge recht plausibel erklärt, undist es recht fraglich, ob die vielfach gezwungenen Deutungen neuererZeit, die an derselben rütteln, besseres bringen.
Zunächst ist die Abhängigkeit der Menstruation vonder Existenz der Eierstöcke — seien es auch nur Restevon functionirendem Parenchym — bejahend entschieden.
Die grosse Reihe von Exstirpationen beider Ovarien mit Versiegender Menstruation beweist dies, und wo es nicht eintrat, blieb wahr-scheinlich ein Theil Ovarialgewebe im Körper zurück ').
Dagegen ist der Ovulation eine gewisse Selbständig-keit gegenüber der Menstruation nicht abzusprechen; dennalltäglich kann man beobachten, dass Frauen schwanger werden, ehedie Periode nach einem Wochenbett sich wieder zeigte; es könnenFrauen Kinder bekommen, die niemals menstruirt waren, und sindsolche noch schwanger geworden, nachdem die Periode schon einigeZeit verschwunden war.
Es ist ferner höchst wahrscheinlich, dass die Ovulationungefähr zur Zeit der Menstruation stattfindet, also eben-falls periodisch ist.
Die Thatsachen, welche dies begründen, sind Schwellen von Ovarien,welche in Leisten- resp. Labialhernien lagen, zur Zeit der Periode; der Nachweisvon unbefruchteten Eiern im Uterus bei kurz voran menstruirt gewesenen Frauen;das Auffinden von frisch geplatzten Graafschen Follikeln in ähnlichen Fällen unddie Beobachtungen über die Schwangerschaftsdauer.
') Der eine Spiegelberg'sche Fall, in dem regelmässige Menstruation be-obachtet wurde, ohne dass bei der Durchmusterung post mortem Graafsche Fol-likel gefunden werden konnten, ist noch nicht für das Gegentheil entscheidend.Vergl. Hennig's Beobachtung, C. f. G. 1888. p. 360.