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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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27
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Ovulation und Menstruation. 27

zu stützen, Pouchet (6) stellte dies als ein für die Thierwelt gültiges Gesetz auf.Den bestimmtesten experimentellen Beweis, einen Beweis, der die frisch bei derBrunst aus den Ovarien getretenen Eier ad oeulos demonstrirte, erbrachte Bisch offfür die Ovulation der Thiere (2). .Bischoff war noch im Anfang seiner Unter-suchungen von der Irrlehre über den Einfluss des Coitus befangen, bis er bei einerHündin, welche er während der Brunst abgesperrt hielt, die ausgetretenen Eier inden Tuben fand. Bei den frei lebenden Thieren verläuft die Ovulation ganz ge-setzmässig. Darwin machte darauf aufmerksam, dass die Brunst bei den Thierenein- und mehrmals im Jahr auftritt und zwar zu solchen Zeiten, dass nach voll-endeter Tragzeit voraussichtlich gutes Futter für die Jungen vorhanden ist. Aufdie Zeit der Brunst hin wachsen einzelne Graafsche Follikel an, platzen undentleeren ihre Eier. Zu gleicher Zeit sondern mehrere Thierspecies mehr oderweniger deutlich blutigen Schleim, ja reines Blut ab (Affen, Raubthiere, Katzen,Hunde, Wiederkäuer, besonders die Kuh). Die Berstung der Follikel erfolgt baldim Anfang, bald im Verlauf der Brunst. In den Tuben, die schon einigeStunden nach dem Belegen Spermatozoen enthalten, erfolgt gewöhn-lich die Befruchtung. Das Ei selbst wandert viel langsamer vom Eierstock zumUterus (Bischoff). Kölliker ([9] p. 237) fand z. B., dass das befruchtete Kanincheneierst zwischen siebentem und achtem Tag im Uterus anwächst. Bischoff machtdie Bemerkung, dass die Eier bei Hündinnen 810 Tage für die Wanderung durchdie Tube brauchen, Charpentier 1 ) bemisst diese Zeit auf 1215 Tage, Hensen 2 )auf 35 Tage. Erwähnen wir zum Schluss noch, was man von der Lebensfähig-keit der Samenfäden weiss.

Charpentier 3 ) citirt eine Aeusserung von Percy, dass er noch 8 Tagepost coitum im Cervicalcanal einer Frau lebende Samenzellen fand, Haussmann 4 )beobachtete sie am gleichen Ort noch 5 und 77a Tage post cohabitationem. BeiMeerschweinchen fand Hensen solche Zellen in den Tuben häufig schon nach17 Stunden regungslos. Werden unsere Haussäugethiere gelegentlich an der Be-fruchtung gehindert, so verliert sich die Brunst nach Ablauf einiger Tage, umdann in kürzeren Fristen, z. B. alle 4 Wochen, in gemässigter Intensität wieder-zukehren (Brunstperiode). Dass aber auch dann wiederum Eier sich ablösen, istabsolut sicher. Denn diese Wiederkehr wird von den Thierzüchtern genau be-obachtet, und nachgewiesenermassen werden die Thiere davon auch wiederträchtig.

Während für die Thierwelt die Periodicität der Ovulation durchzahlreiche Thatsachen begründet, während sie durch jede neue Unter-suchung ich erwähne nur diejenige Bonnet's 5 ) immer aufsneue bestätigt wird, schwanken und wanken die Anschauungen, welcheüber den Verlauf der Ovulation beim Menschen aufgestellt werden,hin und her.

Die naheliegendste Lehre ist sicher die Uebertragung des in derThierwelt Beobachteten auf den Menschen. Und wenn bei diesemManches mit dem primären Naturgesetz nicht übereinzustimmen scheint,so vergesse man ja keinen Augenblick, dass sich das Geschlechtslebenunter den Verhältnissen unserer Cultur ganz anders als nach den Natur-gesetzen abspielt. Ueber Ausnahmen wird man sich nicht zu wundern

*) (9) p. 73.

2 ) (9) p. 62.

3 ) 1. c. p. 93.

4 ) Ueber das Verhalten der Samenfäden. Berlin 1879.B ) Bonnet, Die Uterinmilch etc. Stuttgart 1882. p. 41.