Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

und des Eies. 25

Die Bildung der Flüssigkeit aus den Granulosa-Zeilen hat genugAnaloga in pathologischen und physiologischen Vorgängen ([5] p. 38).Die Flüssigkeit ist direct von den genannten Zellen abzuleiten, ent-steht in ähnlicher Weise wie der Inhalt der Ovarialkystome und ent-hält wie diese Paralbumin.

Der Eiaustritt, also das Platzen der Graafschen Follikel, wirdvorbereitet durch Fettmetamorphose der Follikelwand und damit ge-gebene Brüchigkeit (Spiegelberg). An der freien Fläche, wo die Wandzum Binreissen kommt (Stigma), fehlen Blut- und Lymphgefässe.

Rindfleisch stellt in seiner pathologischen Gewebelehre 1 ) dieVermuthung auf, dass das Paralbumin durch Aufquellen geradezu dietreibende Kraft beim Springen der Follikel abgebe.

Historische Notizen. Die Eisäekchen führen den Namen GraafscheFollikel nach ihrem Entdecker Regner de Graaf 1672, der sich darüber klar war,dass es nicht die Eier selbst seien, weildie nach der Conception in den Tubenund Gebärmutterhörnern getroffenen Eier viel kleiner waren". Dieser Forscherwar der Entdeckung der Eier sehr nahe, da ein Mikroskop, welches Samenzellenerkennen lässt, auch ein Ei genügend vergrössert, um es zu sehen, und das Auf-finden der Sainenkörperchen einige Jahre später (1677) durch Leeuwenhoeckin Leyden wirklich erfolgte. Die Entdeckung wird irrthümlich dem damals inLeyden studirenden L. von Hammen zugeschrieben. Regner de Graaf durch-forschte die Thiere nach dem Belegen, bei denen er 72 Stunden später die Eierin den Tuben fand; aber er versäumte, die nach ihm benannten Follikel vor demPlatzen auf Eier zu durchsuchen. Das Säugethierei wurde erst 155 Jahre später,in unserm Jahrhundert, von Carl Ernst von Baer entdeckt und in einem be-rühmt gewordenen Sendschreiben an die Petersburger Akademie bekannt gemacht 2 ).

Beim Springen der Wand entleert sich das Ei und zwar um-geben von den Zellen des Keimhügels, des Discus proligerus. Es kanndadurch unter dem Mikroskop einen Strahlenkranz zeigen. Von Be-deutung ist, dass diese Zellen des Cumulus proligerus und der Mem-brana granulosa eine zähe, klebrige Beschaffenheit haben. Es machtdieser Umstand wahrscheinlich, dass das Ei bei der Entleerung ausdem Follikel sich anfangs nicht allzuweit vom Eierstock entfernen wird.

Diejenige Stelle des Graafschen Follikels, welche sich verdünntund schliesslich einreisst, wird Cicatricula genannt.

Das Ei geht nach dem Platzen des Follikels seine eigenen Wege,normaler Weise in die Tuba. Wir werden später darauf zurückkommen.

Was wird nun aus dem entleerten Graafschen Follikel?

Das Corpus luteum.

Nach dem Verlassen des Eies bleibt eine kleine Grube (Calyx)zurück. Die frühere Auskleidung des Follikels, die Membrana granu-losa, bleibt nur zum Theil erhalten. Die Höhlung kann mit ein wenig

1 ) Zweite Auflage p. 466.

2 ) C. E. v. Baer, De ovi mammalium et hominis genesi epistola. Lipsiae 1827.