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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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18
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18 Die Mortalität im Wochenbett.

Um so weniger gibt es gut durchgearbeitete Statistiken über dieSterblichkeit im Privathause.

Notiren wir zuerst den Erfolg, den die prophylactische Des-infection in den Gebäranstalten erzielte.

Dass im Wiener Gebärhaus auf Chlorwasserwaschungen, welcheSemmelweiss einführte, die Mortalität im Lauf eines Jahres von12,24°/o auf 1,27 °/o sank, wollen wir nochmals kurz wiederholen. Aberauch in allen anderen Gebäranstalten ist nach dem Einführen dermethodischen Desinfection die Mortalität verringert worden. Winckelrechnete aus 701,122 Geburten in Anstalten eine Mortalität von 23,2auf 1000 aus. Ein auffallender Unterschied tritt auch da hervor zwischenHebammenschulen und den ärztlichen Lehranstalten. Die ersten hatten57, die letzteren bis 48,37 pro mille. Seit allgemeiner Ausführungder Desinfection ist die Mortalität durchweg auf 510 pro mille, auchin den geburtshülflichen Kliniken heruntergesunken.

Bezüglich der Privatpraxis berechnete He gar die Mortalität vombadischen Oberrheinkreis für die Jahre 18511863 auf 7,63 pro milleder Geburten. Aus einer grösseren Reihe von Publicationen mit An-gaben über 361,855 Geburten erhält Winckel im Durchschnitt 6,6pro mille der Geburten.

In einer besonderen Arbeit beleuchtet derselbe Autor die Statistikder Hebammen im Königreich Sachsen. Er musste bei der Revisionder Hebammentagebücher die Erfahrung machen, dass nur die Angabenüber die Namen der Kreissenden, deren Alter, die Zahl der Geburtenund das Geschlecht des Kindes glaubwürdig seien, alle anderen An-gaben aber mit grösster Vorsicht aufgenommen werden müssten. Dassdeswegen die gefundenen Zahlen in Beziehung auf die Sterblichkeitgewiss Minimalzahlen sind, liegt auf der Hand. Die Hebammen habenein grosses Interesse keine Sterbefälle, besonders aber keine an Puer-peralfieber zu nennen. Auf 93,811 Geburten im Jahr 1874 kamen nachAngaben der Hebammentagebücher 681 Todesfälle oder 0,7 °/o vor.

Die Statistik der privaten Praxis wird aber noch durch einenUmstand bisweilen wissentlich, meist aber unbewusst verbessert, dassvon den Leichenbeschauern, resp. Aerzten das Puerperalfieber nicht er-kannt oder mit anderen Namen genannt wird und unter Kategorien wieUnterleibsentzündung, Bauchfellentzündung, Gehirnschlagfluss, Herz-schlag im Wochenbett eingereiht wird.

Boehr hat die Ermittlungen der Puerperalfiebercommission vonBerlin angegeben, nach welchen auf 100 Todesfälle je 13 durch solcheunzutreffende Benennungen der städtischen Statistik von Berlin ent-gangen sind. Die Differenz der Angaben beim statistischen Bureaubetrug gegenüber den Nachforschungen des Polizeipräsidiums während5 Jahren 14 auf 100 Puerperaltodesfälle. Boehr fand nach seinen Zu-sammenstellungen aus 60 Jahren (18161875) mit Anwendung der Cor-rectur, dass 363,627 Frauen im prjeussischen Staat am Kindbett-fieber gestorben seien, auf eine Geburtenzahl von 38,827,700also die Mortalität nahezu 0,9 °/o betrage.