Die Mortalität im Wochenbett. 17
2%igen Carbolsäurelösung desinficirt. Die weiteren Vorschriften waren daraufge-richtet, das Uebertragen von septischen Keimen während der Geburt zu vermeiden,indem die Hände sorgfältig desinficirt und 10%iges Carbolöl zum Einfetten ge-nommen wurde. Eine Carbolsäuredouche kam während der Geburt alle 2 Stun-den zur Anwendung. Dammrisse und andere wunde Stellen wurden nach derEntbindung mit 10%iger Carbollösung betupft und erst nachher vereinigt. Nachder Geburt kam ein Wattebausch von 10°/oigern Carbolöl in die Vagina und wurdeersetzt, so oft er herausfiel.
Aehnliche Vorschläge wurden von Fehling gemacht. Von ihm wurdeauch Carbolspray angewendet. Die Tampons wurden mit Salicylsäure bestreut.Schücking empfahl die permanente Irrigation der Genitalien, so oft eine Geburtschwer verlief und eine Störung im Wochenbett zu erwarten war. Dazu soll einUteruskatheter mit weicher Gaze umwickelt werden, wodurch er sich von selbstim Uterus hält, und durch diese Röhre ununterbrochen eine desinficirende, nichtreizende Lösung durchgeleitet werden.
Diese Methode kann ganz gut sein zur Behandlung Kranker, aber nichtzur Verhütung der Krankheit. Nur die Vorsichtsmassregeln vor und währendder Entbindung sind am Platz; denn im Wochenbett selbst kommt die Ansteckungnur noch ausnahmsweise hinzu. Die Frage, wie viel von den Vorsichtsmassregelnausreicht, um ein ideal gutes Resultat zu bekommen, entscheidet erst die Statistik.In dieser Beziehung hielten die von mir publicirten Morbiditätsverhältnisse allenanderen so vollständig die Waage, dass ich überzeugt bin, man könne mit denoben gegebenen Vorschriften durchweg ebenso gute Ergebnisse erzielen, ohne dabeiebenso viel an den Wöchnerinnen manipuliren zu müssen.
Die Mortalitätsstatistik im Wochenbett.
Literatur.
Winckel: Pathologie u. Therapie des Wochenbetts. 2. Aufl. Berlin 1878.— Derselbe: Berichte und Studien aus dem königl. sächsischen Entbindungs-institut in Dresden. 2. Bd. 1876. — Hegar: Die Sterblichkeit während Schwanger-schaft, Geburt und Wochenbett. Ereiburg 1868. p. 25. 26. — Hirsch: Handbuchder histor.-geographischen Pathologie 1864. — Veit, G.: Krankheiten der weibl.Geschlechtsorgane. — Lefort: Gaz. des höpit. 1866. p.. 152. — M. Duncan: Onthe mortality of childbed. Edinburgh medical Journ. 1876. p. 783 (Bemerkung,dass die meisten Puerperalfieber in die Wintermonate fallen). — Boehr, Max:Untersuchungen über die Häufigkeit des Todes im Wochenbett. Z. f. G. u. G.1878. 3. Bd. p. 17 u. ff. — Ingerslew, E. {Autoreferat): C. f. G. 1883. p. 817und Battlehner: C. f. G. 1884. p. 686. Mittheilungen über Verbesserung derMortalität durch die Antisepsis in Dänemark und Baden. — Dohrn: Z. f. G. u. G.Bd. XII. p. 121.
Wir haben die Begründung einer eingebenden Prophylaxis schonoben angekündigt, wir haben auch ausgesprochen, dass nur Zahlen be-weisen können. Dem gegebenen Versprechen wollen wir mit Folgen-dem nachkommen.
Zunächst muss uns hier die Mortalität im Privathause interessiren;denn wir wollen ja den Nachweis liefern, dass die prophylactischenMassregeln auch in der privaten Praxis der Aerzte und Hebammennothwendig seien. Ueber die Mortalität in Gebärhäusern haben wirviele Arbeiten, weil hier die Zusammenstellung sehr leicht war undsichere Resultate zu Tage förderte.
Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 2