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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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15
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Desinfectionslehre. 15

canales mit einer l%igen Creolinlösung ausgeführt, welche den grossenVortheil besitzt, dass sie die Schlüpfrigkeit der Scheide unversehrt lässt bezw. nocherhöht und absolut ungiftig ist. Die Resultate sind wesentlich besser als diefrüheren; doch können wir die Besserung nicht unbedingt auf die Creolindesin-fection der Scheide und des Cervicalcanales rechnen, weil wir gleichzeitig auch dieDesinfection der Hände während der Geburt wesentlich verschärft haben. Auchdas Creolin, so wichtig seine Vorzüge sind, ist noch kein ideales Präparat, erstenswegen seines schlechten Geruches und weil es sich nicht löst, sondern nur emulgirt.

Wenn es einmal gelungen ist, eine durchaus bewährte Desinfection der Ge-burtswege zu erzielen, so sollte eigentlich der Erfolg der Geburtshülfe ein absolutguter sein in Beziehung auf Morbidität und Mortalität, in allen Fällen, wo dievolle Prophylaxis durchgeführt werden kann. Das heisst, es dürfte dann nicht mehrvorkommen, dass eine Wöchnerin wegen Ansteckung der Genitalwunden fieberte,noch weniger, dass sie daran stürbe, wenn sie zur rechten Zeit in die richtigeBehandlung gekommen ist.

Das ist das Ideal, das erlangt werden muss. Wenn man auch unleugbarimmer bessere Resultate erreicht und darin ein edler Wettkampf besteht, so istdas bisher Erreichte doch nur ein Annäherungsresultat, das die Hoffnung und denEifer belebt. Ein genaues Zusehen beweist jedoch, dass man trotzdem am ersehntenZiel noch keineswegs angelangt ist.

Im Wochenbett braucht es eigentlich gar keine Behandlung mehr.Insbesondere sind alle Verbände u. dergl. überflüssig oder direct schäd-lich. Ebensowenig ist gewöhnlich für den ungehinderten Abfluss derleicht zersetzlichen Wundsecrete der Lochien Sorge zu tragen,weil auch dies ohne unser Zuthun ausreichend geschieht.

Anders liegt die Sache, wenn äussere Verletzungen, z. B. einDammriss oder kleine Vulvarisse zwischen den aufsteigenden Scham-beinästen und dem Corpus cavernosum vestibuli entstanden sind. Manmuss dieselben, namentlich Dammrisse, genau vereinigen; aber Occlusiv-verbände sind dabei unmöglich. Hier gehe man zurück auf die Behand-lung der Alten: man decke die Wunden mit desinficirenden Arznei-mitteln, man wende z. B. Jodoform-Collodium oder Perubalsam an, diemit einem Pinsel aufgetragen werden.

In Gebäranstalten genügt auch das gewöhnliche Reinigen derWäsche und der Zimmer nicht. Die Wäsche muss tüchtig gekochtwerden. Die Zimmer müssen durch Oeffhen sämmtlicher Fenster derfrischen Luft zugänglich gemacht werden.

Unsere Vorschläge zur Desinfection lauten also zusammengefasst:

Im Beginn der Geburt icerden die äusseren Genitalien einer jedenKreissenden tüchtig gewaschen und abgeseift. Die Schleimhaut der Vaginaund des Cervicalcanales wird mit einer 1 °/o igen Creolinmischung ausgespültbezw. mit den Fingern abgerieben.

Vor jedem Touchiren auch während der Schwangerschaftsollen die Hände erst mit Seife und recht warmem Wasser gründlich ge-reinigt, dann von Seife und Fett wieder befreit und endlich mit Sublimat1:1000, 3°joiger Carbolsäurelösung oder anderen erprobten Desinfections-mitteln abgerieben, dann ein vollkommen reines, frisch geschmolzenes Fett,am besten Creolinmollin zu l°jo zum Bestreichen der Finger genommenund sofort, ohne noch irgend etioas zu berühren, touchirt werden.

Da, ivo Luft eingetreten ist, eine Hand eingeführt wurde etc., soll