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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Desinfecticmslehre. 13

einem Wand- t)der Saugheberirrigator x ) zu machen. Dass bei normalenGeburten für gewöhnlich durch das einfache Touchiren keine Lufteintritt, kann man als höchst wahrscheinlich annehmen. Bei hoch-stehendem Kopf und plötzlichem Blasensprung wäre es freilichmöglich.

Wollte man die L i s t e r'schen Grundsätze für die Geburtshülfe inAnwendung bringen, so müsste man von vornherein alle Wendungen,Nabelschnurrepositionen, Zangen- und Nachgeburtsoperationen, ja selbstjede Untersuchung, besonders in allen Fällen, wo der Kopf über demßeckeneingang steht, nur unter Carbolspray machen. Wer dies alsallgemeine Vorschrift aufstellen wollte, würde mit vollstem Recht aufeinen energischen Widerspruch stossen. Wenn bei einer manuellenExtraction während des Lösens der Arme Luft in die Gebärmutter ein-dringt, so ist ja kurz nachher die Entbindung vollendet, und dann gibtes noch andere Mittel und Wege, um eine Infection durch die einge-drungene Luft zu verhüten. Ich glaube, dass unter reichlichen Irriga-tionen mit frischem Wasser oder einer 5 °/oigen Carbolsäurelösung dieeingedrungene Luft wieder aus der Gebärmutter geschafft oder unschäd-lich gemacht werden kann. Anders ist der Lufteintritt zu beurtheilen,wenn die Geburt,noch lange dauert. Hier können die Keime Wurzelnfassen und die faulige Zersetzung des Fruchtwassers, des Meconiums etc.einleiten und diese schon begonnene Zersetzung kann weder frischesWasser, noch eine 5 °/oige Carbollösung sicher sistiren. Wir meinenalso, dass der Lufteintritt die grösste Aufmerksamkeit verdient, wennnach den vorhandenen Verhältnissen die vollständige Entleerung derGebärmutter nicht bald nach der Operation möglich ist. Sicher wirdeine solche Anregung der Fäulniss durch die Irrigation der Scheideoder Bespülen der äusseren Genitalien besser vermieden als durch denSpray. Dieses letztere Verfahren ist aber in praxi viel eher durchzu-führen als der Carbolspray. Ueberhaupt gehört der Spray schon heuteder Vergangenheit an 2 ).

Wo der Lufteintritt beim Touchiren nicht zu fürchten ist, mussman sich doch vor der Gefahr schützen, die septischen Keime derLuft an den Fingern einzubringen. An unseren Kleidern, imBart, aber auch an den äusseren Genitalien der Kreissenden lassen sichPilze und ihre Sporen nachweisen.

Da diese Keime auch auf Schwangere zu übertragensind und dort in dem sauer reagirenden Scheidenschleimkeimungsfähig bleiben können, ist dieselbe antiseptischeWaschung auch bei jeder Untersuchung von Schwangerendurchaus nothwendig. Dass die Fingernägel kurz ge-schnitten und vollkommen rein gehalten sein müssen, istschon oben angegeben.

') Vergl. Archiv f. Gynäk. Bd. 13. p. 463.

2 ) Fehlin g hat bei Anwendung des Carbolsprays auffallend viele Nach-blutungen beobachtet.