Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

Desinfectionslehre. 11

2) Dann werden stets zwei grosse Schaalen mit reclitwarmem Wasser benützt

und zwar die erste zum tüchtigen Abwaschen und Ein-und Abseifen der Hände.

3) Die zweite Schaale dient zum vollkommenen Ab-reiben der Seife, welche beim Zurückziehen der Händeaus der ersten Schaale eine förmliche Decke über dieHaut bildet, beim sofortigen Eintauchen in die Sub-limatlösung geradezu ausgefällt wird und wie eine feineSalbe die Haut von der Einwirkung des Sublimates ab-schliesst.

Dieses Abwaschen und Abseifen soll die Hände 5 Mi-nuten fortwährend in warmem Wasser bearbeiten.

4) Dann werden dieselben (natürlich ohne vorerst ab-getrocknet zu werden) noch 2 Minuten in einer drittenSchaale mit der früher zurechtgemachten Sublimatlösungvon 1:1000 oder 3°/oiger Carbollösung tüchtig abgerieben.

Anmerkung. Die Entfettung nach dem Abseifen ist nach meiner Mei-nung nicht so sehr zur Entfernung der Fettabsonderung der Haut, als zur Be-seitigung der Seife, bezw. des Fettes der Seife, nothwendig. Wir haben diesesVerfahren, wie schon oben gesagt, ebenfalls mittelst Nährleims controlrrt und be-währt gefunden.

Weil wir ebenfalls die Beobachtung machten, dass die vollkommene Des-infection der Hände viel leichter und sicherer nach dem Kurzschneiden der Nägelzu erzielen sei, haben wir dies unter die Bestimmungen geradezu als obligatorischaufgenommen. Alkohol würde ich zur Entfettung nur benützen, wo die Desinfectionsehr eilig ist.

Die Concentration der Sublimatlösung gibt Fürbringer consequent auf2°/ooig an, also im Verhältniss von 1:500. Es genügen schon Lösungen von 1:1000und 1: 2000 Wasser.

Zur Herstellung der Sublimatlösungen kann in der Praxisnur gutes, reines Brunnenwasser in Frage kommen. Würde dies nurmit destillirtem Wasser angehen, so wäre die Sublimatlösung in derPraxis weit weniger verwendbar. Nun enthalten jedoch die Trink-wässer durchweg so viel kohlensaure Alkalien (Kali und Natron) undErdsalze (Kalk, Magnesia), dass das Quecksilbersalz, wenn auch nurallmählich, in unlösliche Verbindungen (Quecksilber-Trioxychlorid oderQuecksilber-Tetraoxychlorid) umgesetzt wird und wegen der Unlöslich-keit ausfällt. Wenn die Sublimatlösung wirksam bleiben soll, so müs-sen Zusätze gemacht werden, welche diese Umsetzungen und Aus-fällungen hindern. Es dient und genügt dazu bei dem Härtegrade(Salzgehalt) der gewöhnlichen Trinkwässer ein Zusatz von 0,5 gEssigsäure (Acid. acet. Ph. G.) oder Citronensäure auf dasLiter Wasser bezw. Sublimatlösung. Aeusserst zweckmässig sinddie im Handel zu beziehenden Sublimatpastillen, die der Arzt ein-fach im Wasser zu lösen braucht.

Die Carbolsäurelösung wird am besten so dai'gestellt, dassman gesättigte, alkoholische Lösungen chemisch reiner Carbolsäure in