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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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10 Desinfectionslehre.

1) Es werden die Fingernägel auf trockenem Wege von eventuellsichtbarem Schmutze befreit,

2) die Hände eine Minute lang allenthalben mit Seife und rechtwarmem Wasser gründlich abgebürstet, insbesondere die Unternagel-räume bearbeitet,

3) ebenfalls eine Minute lang in Alkohol (nicht unter 80°/o) ge-waschen und darauf sofort, vor dem Abdunsten desselben

4) in eine antiseptische Flüssigkeit (2°/ooige Sublimatlösung oder3°/oige Carbolsäure) gebracht und mit dieser gleichfalls eine Minutelang gründlich bearbeitet.

Die experimentelle Controle besteht darin, dass mittelst sterili-sirter Hölzchen (abgebrochenen Streichhölzchen) vom Nagelfalz unddem Unternagelraum so viel als möglich von Haut und Nagel weg-geschabt und dieses sterilisirte Hölzchen mit den Hautkrümelchenin eine Gelatine - Nährlösung geworfen wird. Nur dann kann dieHand als absolut keimfrei gelten, wenn bei mehreren Probenvon verschiedenen Stellen der Hand alle oder doch mehrere sterilbleiben.

Es ist zwar eine solche vollkommene Desinfection der Händenach Fürbringer's Vorschriften möglich. Doch haben wir bei ge-nauester Nachahmung noch sehr oft Misserfolge erlebt und haltendiese Schnelklesinfection für nicht vollkommen sichernd.

Wenn man sich fragt, warum soll der Alkohol zwischen dieWaschung und die eigentliche Desinfection eingeschaltet werden, sogibt Fürbringer die Antwort: der Alkohol hat der Epidermisaus-kleidung des subungualen Raumes diejenige Fettmenge zu entziehen,welche einer kurzen Seifen- bezw. Alkalibehandlung getrotzt hatte unddie Haut so für die Desinfectionsmittel vorzubereiten. Wir haben dieFürbringer'schen Vorschriften mit der Controle durch Nährleim aufdem Kreisszimmer der geburtshülflichen Klinik zu Leipzig eingeführtund dabei die Erfahrung gemacht, dass es längerer Uebung und Auf-merksamkeit bedarf, bis der Erfolg ziemlich sicher ist, dass also dieStudirenden Anfangs Keimfreiheit der Hände nicht zu erzielen vermögenund dass ferner die Verwendung der Alkoholwaschung zu einerganz übermässigen Ausgabe führt. Die Entfernung des Fettesmuss durch längeres Verseifen und Wegwaschen der Seife durch warmesWasser ebenso gut gelingen. Der übermässige Alkoholgebrauch ist beider grossen Zahl von Desinfectionen in einer Klinik viel störender, alsdie etwas längere Dauer der Desinfection.

Ich habe auf ausgedehnte Untersuchungen hin, welche zusammenmit meinen Assistenten ausgeführt wurden, folgende Desinfectionsmass-regeln als bewährt und für die practische Verwendung besonders inKliniken viel zweckmässiger befunden:

1) Zuerst werden die Fingernägel und zwar am Nagel-falz als auch am Unternagelraum mit einer Nagelfeile undbesonders mit deren Spitze gründlich bearbeitet und dieNägel selbst so kurz geschnitten als möglich.