(3 Desinfectionslehre.
mengungen von organischen Stoffen in grosser Masse PHzsjKKrjengefunden. Es war schon früher auf die Luftverderhniss aufmerksamgemacht und hier ein schlimmer Einfluss auf den Verlauf des Wochen-bettes vermuthet worden. Dass aber diese erwähnten Autoren denAnfang machten, die Luftverderhniss genauer zu definiren resp. dieKeime, welche die Luft verderben, sichtbar zu machen, ist ein Ver-dienst, das viele Jahre später einen principiellen Fortschritt in derVerhütung des Kindbettfiebers und in der chirurgischen Behandlungnach sich zog.
Eine erneute Erörterung und neue Vorschläge zur Verhütung desKindbettfiebers kamen erst wieder als Frucht der glänzenden Erfolgevon Lister's Verfahren des antiseptischen Wundverbands. Die Hand-habung dieser Methode ist heut zu Tage allgemein bekannt. Es istaber für die consequente Durchführung unerlässlich, den leitenden Ge-danken der Theorie und ihre Entstehung genau zu kennen. Die sub-cutanen Knochenfracturen heilen sicher ohne Eiterung, während diecomplicirten früher regelmässig durch Eiterung gefährlich wurden,dass so diese Erfahrung die Frage nahe legte, ob nicht ein gewisserReiz der äusseren Luft die Eiterung bedinge. Wenn es der Sauerstoffder Luft oder überhaupt gasige Bestandtheile derselben waren, denenman den schädlichen Einfluss zuschreiben musste, so bestand keineMöglichkeit, äussere Wunden je vor Eiterung zu bewahren. Den erstenAnstoss zum Liste r'schen Verband gab der Wunsch, wenigstens dieFäulniss zu verhindern, und dies musste nach den Versuchen vonSchulze, Schwann, Helmholtz, H. Schröder, Th. v. Dusch,Pasteur u. A. im Bereich der Möglichkeit liegen, da ja diese Autorenauch die Fäulniss des Urins etc. verhindern konnten, wenn sie diehinzutretende Luft von den Staubpartikelchen reinigten. Dieser_Jn derAtmosphäre schwebende Staub, den man im Sonnenlicht überall glitzernsieht, enthält die Fäulnisskeime. Von diesen die Luft zu reinigen, istmöglich, wenn sie durch glühende Röhren geleitet wird, welche denStaub verbrennen, oder wenn man sie eine grosse Lage Watte durch-dringen und von dieser gleichsam filtriren lässt. Dass wirklich diesefeinen in der Luft schwebenden Keime die Fäulniss anregen, haben dieVersuche von Pasteur und Tyndall, welche das Princip, das schondie oben genannten Autoren festgestellt hatten, noch genauer ausführten,mit Sicherheit ergeben. Dass dieselben aber durch Carbolsäure auchunschädlich gemacht werden können, verdanken wir den experimentellenUntersuchungen Hoppe-Seyler's u. A. Nach dessen Resultaten lässtein Carbolsäuregehalt von 0,1 °/o noch Bacterien, Torula und PeniciJliumentwickeln, 0,5 °/o hindert die Vermehrung von Bacterien, aber nichtdas Wachsen von Torula und Penicillium. Selbst bei 1 8 /o schritt nachHoppe-Seyler die Fäulniss noch fort, wenn auch viel langsamer,bei 2 °/o Gehalt wurde jede Fäulniss-Gährung unterbrochen. Mehrspeculativ hatte List er die Carbolsäure, in Nebelform zerstäubt, zumReinigen der Luft verwendet beim Wundverband und erst unter dieserbesonderen Vorsicht die Wunden vor weiterem Luftzutritt geschützt.