23Achter Abschnitt.Seine Philosophie wurde unter allen gesitteten Völ-kern des Erdkreises verbreitet. Der Zwek seiner Lehrenwar, die Erscheinungen in der physischen und morali-schen Welt durch das Daseyn einer weisen, selbstständi-gen, unveränderlichen Grundursache (Gottheit) zu er-klären, die Natur des menschlichen Geistes, dessen Ver-schiedenheit vom Körper er als Grundsaz aufstellte, unddessen vorstellende, begreifende und wollende Kräfte zuenthüllen, und hierauf eine Sittenlehre zu gründen, diein dem gegenwärtigen und künftigen Daseyn Vollkom-menheit und Glükseligkeit gewähre. Er war der erstePhilosoph, der aus der Ansicht des Weltgebäudes derin der Natur herrschenden Ordnung, der regelmäßigenBewegung der Gestirne, der Wiederkehr der Jahreszei-ten, das Daseyn eines einzigen, verständigen Urheberserklärte; er war der erste, der die Lehre von einem künf-tigen Zustand der Dinge mit Gründen unterstüzte, undaus den Eigenschaften unsers Geistes auf die Einfachheitund Unzerstörbarkeit desselben schloß, und war fest über-zeugt, daß die Seele, je nachdem sie ihre Kräfte hie-nieden angewandt hätte, nach ihrer Trennung von demKörper auf einen höhern Standtpunkt erhoben, oderauf einen niedrigern gesezt würde. In diesen Grundsäz-zen finden wir die Hauptlehren des Christenthums, Da-seyn eines Gottes und Unsterblichkeit der Seele.Die Schriften Plato's sind mit Ausnahme von dendreizehn Briefen moralischen Inhalts, deren Aechtheitbezweifelt wird, sämmtlich in der dialogischen Form ab-gefaßt, und bilden sieben und fünfzig Gespräche, vondenen wieder einige, z. B. die zehn Bücher der Repub-lik, die zwölf Bücher der Gesetze, Timaeus und Kri-tias, ein Ganzes ausmachen. Wahrscheinlich waren siesämmtlich in einem Zusammenhang, und sind durch Ein-schiebung einiger, die man für unächt hält, aus ihrerOrdnung gerissen worden. Die vorzüglichste Ausgabe
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