Günobern.
Siebenter Abschnitt.169die sich bis auf unsere Zeiten unter den mit fremdenVölkerstämmen unvermischt gebliebenen Hindus erhiel-ten. Die jezt noch bei diesen Völkern bestehende Ein-theilung in verschiedene Klassen oder Kasten, nämlichder Priester, Ackerbauer, Hirten, Handelsleute, Krie-ger, Richter und Adel, war schon damals im Gebrauch,und ist ältern Ursprungs, denn die Hindus ändernnicht die von ihren Vorältern ererbten Gewohnheiten.Die Ursache, warum Alexander dieses harmloseund genügsame Volk mit Krieg überzog, ist blos indem Wahnsinn begründet, der die physische oder mo-ralische Krankheit jedes Eroberers ist. Wir finden beikeinem Schriftsteller eine Spur von Veranlassung die-ses Krieges mit einem Volke, das vielleicht von denFeldzügen in Persien und der Unterjochung dieses gro-ßen Reiches gar nichts wußte, und in seinen friedlichenBesitzungen einen solchen Besuch kaum erwartete. Alexan-der war im Anfang des Frühlings (v. C. G. 327.)vollkommen zu diesem Zuge gerüstet. Aus den nördli-chen Gränzprovinzen Persiens wandte er sich südlich ge-gen den Paropamisus, den Zweig der großen asischenGebirgskette, der die südwestliche Gränze der großen Bu-charei gegen Persien bildet, und von dem Hauptorte denNamen Balk führt. Während den zehn Tagen, welche dasmacedonische Heer mit dem Uebergang über dieses Ge-birge zubrachte, hatte zwar kein Widerstand von den we-nigen Bewohnern dieser kalten und öden Gegenden statt,aber die Krieger litten destomehr durch den Mangel anLebensmitteln und durch die Hindernisse einer gänzlichvon allen Nothwendigkeiten des menschlichen Lebens ent-blößten Natur. Endlich waren auch diese Hindernissebesiegt, und das macedonische Heer betrat die Gefilde,die der von dem Paropamisus herabströmende Cophe-nes befeuchtet. Hier theilte der König sein Heer. Un-ter Häphestions und Perdiccas Anführung wurde eineAb⸗