Geschichte der Griechen,62Gebiet dieser Stadt an die Athener abgetreten, aberden Besiz der Stadt selbst sich vorbehalten. Nun ent-standen Streitigkeiten wegen der Gränze, und Philipp,dem jede Gelegenheit zu einer neuen Fehde willkommenwar, schüzte die Cardier. Die Athener fandten jeztden Diopeithes mit. einer Flotte nach dem Chersones.Dieser tapfere Feldherr war ein geschworner Feind derMacedonier. Nachdem er für die Sicherheit der athe-nischen Besitzungen hinreichend gesorgt hatte, fiel erdas Gebiet Philipps in Thrazien an, eroberte einigeStädte, und führte die Beute nach den athenischenPflanzstädten. Er fieng sogar einen nach Athen be-stimmten Abgeordneten des macedonischen Königs undeinen Boten desselben, und sandte die Briefe nach Athen,wo sie in der Versammlung des Volkes vorgelesen wur.den. Philipp, der den Frieden mit Athen sowohldurch die Erweiterung des Gebietes von Epirus, wo erdie von Eliſchen Bürgern gegründete Pflanzſtadt Caſſio-paea an sich gerissen hatte, als auch durch die beständigenAngriffe auf die Besitzungen der Athener in Thrazien längstgebrochen hatte, verklagte den Diopeithes als einen Räu-ber und Störer des Friedens. Die Miethlinge des Kö-nigs unterstüzten diese Klage, und beschuldigten überdießden Feldherrn der Secräuberei, weil er von den Bundes-genossen Athens in Jonien Geld zu Kriegsbedürfnissenerhoben hatte. Demosthenes vertheidigte diesen Feld-herrn in einer Rede über die cherſoneſiſchen Angelegen-heiten, und bewirkte die Ausrüstung einer Flotte, dievon Callias angeführt, die macedonischen Schiffe weg-nahm, und an den Küsten von Thessalien landete. Sieforderten durch eine Gesandtschaft die Staaten des Pe-loponnes und die Cuboeer auf, das Joch der Macedonierabzuwerfen; die Insel Euboea war damals unter PhilippsOberherrschaft, und drei Statthalter regierten dort inseinem Namen, doch war noch die alte Verfassung zumSchein beibehalten; aber jezt begannen sich die Bedrü-kungen
11