56und ist diese Conception vielleicht auch natürlicher und allgemeinverständlicher, als die erwähnte Lessing's, so kann sie doch ei-gentlich auf den Namen einer Composition keinen Anspruchmachen, und überschreitet kaum die Grenze des Portraits.„Judith undt Holofernes.“ Der Künstler hat zurDarstellung den Moment vor der That gewählt, was wir nurbilligen können. In dem Schooße der liebreizenden Judithruht das schlummernde Opfer Holofernes mit dem Hauptewährend die Mörderin ihn mit der Linken am Haar faßt,und die Rechte nach dem seitwärts aufrecht angelehnten Schwerteausstreckt. In dem Blicke und der Haltung Judith's ist weib-liches Zagen und Bangen, mit wilder Energie und unbeugsamemFanatismus verbunden, ausgesprochen. Das Beiwerk ist thea-tralisch pomphaft ausgerüstet, jedoch von blendend technischerVollendung, wozu ſich eine Rembrandt'ſche herrliche Beleuchtungund harmonische Färbung gesellt. Wir hassen das oft wieder-holte Sujet dieses Bildes, dessen Tendenz in unserer Zeitnicht mehr wiederklingt. Will man den Patriotismus, den ge-rechten Tyrannenmord, das gesteigertste Hochgefühl des Weibesbildlich verewigen, wozu diese Judith, diese unkeusche, befleckteJüdin wählen? Kennt ihr nicht Charlotte Corday? Oder istes eben das Anziehende an diesen Judithbildern, daß diePhantasie des Zuschauers durch die unkeusche vorhergehendeHandlung höher angeregt wird; daß Judith so interessant ist,weil sie dem Manne das Haupt abschneidet, dessen Küsse nochauf ihrem Busen brennen? Pfui über diese ekelhafte Geschichte,deren Reproducirung keineswegs durch verjährte theologischeVorurtheile entschuldigt werden kann. Malt lieber Venus undMars, wie Vulcan ihr Rendezvous stört, malt Leda und Ju-
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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