20losigkeit, seine Unerfahrenheit und sein weichliches und ausschwei-fendes Leben bei der Armee noch gewachsen war, ließ man ihnam Hofe. Er blieb ein Freund und Genosse der Ausschweifungendes Königs in Folge der geheimen Sympathieen, welche zwischenbeiden vorherrschten,— sagt ein französischer Biograph Ludwigs XV.Auf den neuen Feldherrn waren die Augen von ganz Frankreich gerichtet. Seit der Schlacht von Parma, 1734, die er schonals Oberst mitmachte, hatte Contades an allen von Frankreichgeführten Kriegen theilgenommen und allen Feldzügen beigewohntIm Kriege und durch den Krieg in der Schule des Marschallvon Sachsen ausgebildet, war dieser General ein würdigererGegner des Herzogs Ferdinand von Braunschweig. Mitgroßem Interesse verfolgt man deshalb die ersten Operationenbeider Feldherrn, welche — um uns eines passenden Bildes zubedienen gleich zwei geübten Schachspielern jeden Zug aufdem Schachbrette des Kriegsschauplatzes mit voller Ueberlegungmit vollem Bewußtsein und Berechnung des Zweckes ausführenum so, Zug um Zug, sich gleichsam das „Gardez“! zuzurufen,und schließlich zu dem „Schach“ und „Matt!“ zu schreiten.Die nächste und wichtigste Aufgabe des neuen Oberbefehlshabersbestand darin, die französische Armee zu reorganisiren und ausden leichtsinnigen undisciplinirten Haufen wieder Truppenkörperzu bilden, mit welchen er dreist einem Feinde entgegentretenkönne, wie er ihn in der wohlgeschulten und in jeder Beziehungtüchtigen Armee der Verbündeten vor sich sah. Von dem Mar-schall von Belle=Isle wurde er dabei kräftigst unterstützt. NeueVerstärkungen aus dem Innern Frankreichs wurden nach demRheine in Marsch gesetzt, und geschärfte Verordnungen fürOffiziere und Soldaten sollten die erschlaffte Disciplin wiederher-stellen. Während das System Clermont's auf fortwährenderückgängige Bewegungen basirt gewesen war — von der Allerzur Weser, von der Weser zum Rhein, wo er nur auf die drin-gendsten Vorstellungen des Kriegsministers einen Halt gefundenzu haben schien — glaubte Contades durch das Ergreifen derOffensive zunächst der Armee wieder den fast ganz verloren ge-gangenen moralischen Aufschwung geben zu müssen.Die strategischen Weisungen, welche dem Commandirendenvon Versailles aus zugingen, gaben ihm zunächst nur auf: die
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Kriegsschauplatz an der Erft und Roer im Sommer 1758 : nebst einer Uebersichtskarte
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