Druckschrift 
Adolph und Eberhard, die ersten Grafen von Berge : historische Erzählung aus dem zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

137leichterungen nur durch den ausdrücklichen Befehl desAbtes vermocht werden.Arzneien, wie sie heut zu Tage in den Apothekenverkauft werden, waren bei den Mönchen weder gebräuch-lich, noch zulässig; man begnügte sich mit den Wurzeln,welche man im Winter gesammelt und nach dem Trocknenzu Pulver gestoßen hatte.Eberhard fühlte den nahenden Tod und freute sichder Auflösung und der Vereinigung mit seinem himmli-schen Vater. Adolph gab sich dem Schmerze hin, daßer den Bruder verlieren sollte, den er von allen Men-schen auf Erden am meisten geliebt hatte; aber derKranke tröstete ihn und sprach:Traure nicht, du wirstmir bald folgen; ehe du aber von hinnen scheidest, werdeich dir ein Zeichen senden, damit dir der Tag des Todesund der Wiedervereinigung nicht plötzlich kommen.Es war im blüthenreichen Monat Mai; das Fensterder Krankenzelle stand offen, ein balsamischer Hausdurchwehte das Gemach und die unzähligen Nachtigallen*)) Eine alte Sage erzählt, der heilige Bernhard von Clair-vaux habe als strenger Klostervisitator alle Nachtigallenvom Kloster Himmelrath in der Eifel vertrieben, weil dieMönche, von ihrem Gesange bezaubert, sich der Weichlichkeithingaben. Die Nachtigallen allesammt flogen nach Alten-