Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
382
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382 Nachträge.

Deutlich tritt daraus die Seltenheit und das späte Er-scheinen des Ergrauens und der Kahlheit bei den Ver-brechern wie bei den Epileptischen, insbesondere bei den Kretinshervor.

Wir haben aber mit diesen Forschungen ein neues Er-kennungsmittel für den Späteintritt des Greisenalters und fürdie Langlebigkeit der Verbrecher gewonnen, das sogar inFällen zweifelhafter Identität von Nutzen sein kann, wie dennein solcher Fall wirklich die Anregung zu diesen Forschungengegeben hat. Es hatte sich nämlich um die Feststellung derIdentität eines berüchtigten Verbrechers gebandelt, der 44 Jahrealt war und sich für einen anderen unschuldigen Mann von32 Jahren ausgab und dem, trotz mehrfachen Gefängniss-aufenthaltes, alle Zeichen reiferen Alters, jede Spur von Er-grauen und Kahlheit fehlte, wodurch der Begutachtende an-fangs recht sehr in Verlegenheit kam.

Die Seltenheit des Ergrauens und. der Kahlheit bei Ver-brechern, Epileptischen und Kretins entspricht genau ihrergeringern Empfindlichkeit und Gemüthserregbarkeit. Einindirekter Beweis dafür ist das frühzeitige Auftreten des Grau-werdens bei den 1Ö0 Gewerbetreibenden, die den höchstenSatz dafür abgaben, ferner die 18 % an weissem Haar unddie 14 % an absoluter Kaklköpfigkeit bei den französischenDeputirten was in Rücksicht auf ihr Alter und unserenNormalen gegenüber für eine sehr hohe Zahl gelten muss.Montesquieu und Mahoinet gestanden, dass ihr Haar weissgeworden unter der Mühsal des Schreibens ihrer "Werke.

Ausser der geistigen Arbeit und den starken Gemüths-bewegungen ist jedoch ein sehr wichtiges ätiologisches Moment,auf das wir dabei zu achten haben die Erblichkeit. Bei35 % der von uns Untersuchten hatte frühzeitiges Ergrauenschon, wenigstens bei einem ihrer Erzeuger, stattgefunden; über-dies kennen wir wenige neuropathische Familien, bei denenfrühzeitiges Erbleichen des Haares selbst schon im zweitenLebensjahre gleichsam als Stigma, nicht vorgekommen wäre

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