Drittes Kapitel. Epileptoide. 341
aber, dass er nicht wisse, was er gethan, und entsann sichnur mit Mühe der Einzelheiten des Geschehenen. — Nimmtman nun an, dass der Jäger, wie man versicherte, nichtepileptisch war, was bleibt dann in Bezug auf die Art undWeise des begangenen Verbrechens für ein Unterschied zwischenihm und bespielsweise dem berüchtigten Misdea? Die Thatdes Letzteren geschah infolge allbekannter Epilepsie, die desJägers infolge der Leidenschaft. Haben sich Epilepsie undLeidenschaft etwa nicht durch die Thätigkeit derselben Nerven-centren geäussert und haben sie nicht dieselben Symptome zurFolge gehabt? Unzweifelhaft war der Jäger in jenem Augen-blicke epileptisch, gleichviel, ob er es vor- oder nachher niegewesen; die Leidenschaft hatte bei ihm als reizerregendesMittel gedient. Auch Misdea war ein leidenschaftlicher Mensch,bei dem nur die habituelle Epilepsie den übertriebenen Gefühls-ausdruck erleichtert haben mag. Ist es also nicht wahr, dassdas Studium des epileptischen Wuthanfalles Aufschluss überden Mechanismus giebt, woher die Entladung einer heftigenGemüthsbewegung rührt?"
Ich möchte nun noch einige Zeilen aus der Schrift einesMannes anführen, der vormals ohne sein Wissen mein Lehreroder Mitschuldiger war und gegenwärtig die Haltung einesGegners einnimmt.
Maudsley also sagt (im Joiim. of mental science 1888,Nr. 110): „Es ist zu bemerken, dass es einen Zwischenzustandzwischen dem unwissentlich begangenen Verbrechen des Epilep-tikers und dem mit Bedacht ausgeführten des gewaltsamen undverschlagenen Missethäters giebt; einen Zwischenzustand, inwelchem ein blindes, finsteres, unruhiges Gefühl peinlicherSpannung. den geistesschwachen Menschen, der davon befallenwird, anregt, sich in unvernünftiger Heftigkeit davon zu be-freien, und wo, wenn es geschehen ist, derselbe einen Grunddafür nicht anzugeben vermag, oder doch einen unklaren undsogar falschen Bericht liefert."