294 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbrecher.
sein Schulfreund gewesen, ein geistvoller aber unruhiger Kopf,hatte Chemie studirt, war dann zum Jus und schliesslich zurMedizin übergegangen, ohne die Kurse durchzumachen. Ob-gleich er kein Vermögen besass, lebte er mit einem Mädchen,mit der er oft in Streit gerieth, die er aber liebte. EinesTages im Streit mit ihr, erhitzt er sich, droht sie zu schlagen,imd als er sieht, dass sie Miene macht, zum Fenster hinaus-zuspringen, ergreift er ein Messer und ersticht sie. Zu 10 Jahrenverurtheilt und nach 8 Jahren wegen guten Betragens entlassen,ernährte er sich von seiner Hände Arbeit und lebte noch vieleJahre als allgemein geachteter Mann.
Der Andere wollte während des Karnevals sich einenguten Tag machen und entwandte aus der Kasse des Ministerial-Beamten 50 Pres., nahm eine Maske und tanzte die ganze Nacht.Am anderen Morgen kam er sich zu stellen, statt dessen wurdeer aber verhaftet und bekannte nun alles sofort. Er wurdeverurtheilt. Im Gefängniss arbeitete er fleissig. Nach 5 Jahrenverliess er dasselbe und erwarb sich durch Rechtschaffenheitund ungewöhnliche Thätigkeit eine hochgeachtete Stellung inder Gesellschaft. Er starb jung.
D., sonst ein ehrlicher Mann, entdeckte zufällig Gold-sachen, erschwindelte sie und suchte sie zu verkaufen; dannging er davon, kam indes bald zurück, stellte sich selbstund erklärte, er habe das Verbrechen begangen, um mit Hülfedes Geldes auswandern und sich Arbeit suchen zu können;• da ihm das nicht sogleich gelungen sei, habe er Beue gefühlt.Er war nur ein Gelegenheitsdieb, sonst hätte er sich wedergestellt, noch hätte er bereut.
P., ein äusserst rechtschaffener Mensch, hat einen sehrbösen Bruder, der seinen Vater schon öfter bedroht hat undvon dem er bei Vertheidigung des Letzteren schon öfter ge-schlagen worden ist. Eines Tages misshandelt der Bruder denalten Vater wiederum, weil die Suppe schlecht sei. P. wirftsich dazwischen und trifft den Kopf des Bruders mit einer Flasche,— stellt sich dann dem Gerichte und wird freigesprochen.
6. Unerfahrenheit. — Endlich giebt es Menschen, die,wenig bewandert oder glücklich in der Lebenskunst, unter das