Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
274
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274 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbreoher.

facher Diebstahl, das Maximum au Rückfällen uud Frühreife,und beinahe das Minimum an Degenerationszeichen aufweisen,wodurch die beiden von Fekri aufgestellten hauptsächlichstenMerkmale für den Gelegenheitsverbrecher hinfällig werden. Esist umgekehrt geradezu erstaunlich, wie das Maximum angrossen Verbrechen, Mord, Betrug, Notazucht (die geringe Zahlvon Brandstiftern- und Strassenräubern lassen wir dahingestellt)mit dem Minimum an Rückfällen und Frühreife zusammenfällt.

Anfangs stutzte man bei der Entdeckung dieses unerwartetenGegensatzes; indes fand sieb bald eine Erklärung. Die leichterenVerbrechen, die auch eine leichtere Strafe nach sich ziehenund geringere Geschicklichkeit erfordern, geschehen aus diesenGründen frühzeitiger und wiederholen sich öfter, während diegrossen Verbrechen Sache erfahrener Männer, schwieriger zuentdecken, und wenn sie entdeckt werden, Veranlassung zuhärteren und längeren Strafen und schon deshalb Rückfälleseltener sind. Schlauheit und männliche Kraft, mitunter einBetriebskapital (an Dietrichen und lithographischen Werk-zeugen xl. s. w.), was man in der Jugend eben nicht besitzt,sind andererseits erforderliche Bedingungen, mithin mit derFrühreife nicht verträglich.

Schliesslich fallen Rezidive auch da fort, avo mit demersten Verbrechen der einzige Gegenstand desselben aus demWege geräumt worden ist (Königs-, Vatermord).

Aber mit all dem ist die Existenz der so natürlich undbequem erscheinenden Gruppe des Gelegenheitsverbrechersnicht etwa gänzlich beseitigt. Nur der Gedanke sollte undmusste beseitigt werden, dass das Fehlen der Rückfälligkeitund frühzeitigen Entwickelung ihre besonderen und beständigenMerkmale bilden, Betrug, Nothzucht und Einbruch etwa aus-genommen, wo die Frühreife deshalb in der Statistik seltenauftritt, weil die Geistes- und Körperkraft noch nicht aus-reichend sind.