Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
245
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Siebentes Kapitel. Halbverrückte Verbrecher. 245

Menschenfreundinnen in die Reihe Derer gehörten, deren Auf-opferungsfähigkeit und krankhaften Philanthropie die Mensch-heit so vielen Dank schuldig ist.

Indes bekommt doch der unter dem Schein der Aufopfe-rung verborgene Egoismus oft Oberwasser; die Ruhe hört dannmit einem Schlage auf und macht impulsiven und Wahnvor-stellungen Platz.

Das ist besonders dann der Fall, wenn der Hunger siestachelt, oder wenn die den Krankheitszustand begleitendeoder vielleicht erzeugende Nervosität sich verschärft, nament-lich aber wenn sie in ihrer einzigen Leidenschaft verletztwerden.

So wurde der friedliebende und menschenfreundlicheMangione mit einem Male zum Mörder an Giusso, gegen dener vorher mehrere Manifeste erlassen hatte, Sbarbaro, dermenschenfreundliche Politiker und Reformator, mit einemSchlage ein gemeiner Spitzbube und Raufbold; er stahl beieiner Sitzung der Fakultät Federn, Teppiche hinter dem Rückender Kollegen, insultirte die Minister u. s. w.

Coccapieler ging nicht so- weit, doch bedrohte er die Ge-fängnisswärter und schickte eines Tages nach dem Staatsanwalt,lim ihm zu sagen, dass er nicht der König wäre, weil er esnicht sein wollte.

Büffet machte einen Mordversuch auf Casse in den Vor-räumen der Kammer. Gleichwohl kommen solche Dinge seltenbei ihnen vor, und wenn es geschieht, so ist die Grausamkeitund Energie geringer, als bei dem geborenen Verbrecher,da es ihnen an Uebung und Verschlagenheit im Bösen gänz-lich fehlt.

Auch begehen sie ihre Strafthaten öffentlich, wenigstensangeblich zum Wohle des Gemeinwesens und zwar so über-raschend und stürmisch, und gleichsam unbewusst, wie wires von den Handlungen der Epileptischen und moralisch Irrenher kennen.

Wenn der Geist," schreibt Guiteau,durch Eingebung vonoben erfüllt wird, so ist er wahrhaft ausser sich. Anfangswar mir der Gedanke an Mord schrecklich, bald sah ich aber,