222 Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.
sie einen Priester an, der sie niemals gesehen hatte, er habesie verführt. Später verheirathet, ergab sie sich dem Trünke,schlug ihren Ehemann, entfloh mit einem Handelsgehülfen undkam wegen Mordversuches ins Gefängniss.
Berüchtigt ist die Glaser, die für tobsüchtig, stumm, füreine Fälscherin und Diebin galt, ohne dass man es sichernachzuweisen vermochte, sie täuschte Aerzte und Richter undwusste sogar den vielerfahrenen Caspbe unsicher zu machen.
Die 23jährige Maria V. wurde in Ohnmacht liegend ge-funden, gespickt von einer Menge regelmässiger Wunden imGesicht und auf den Gliedmassen, die Hände gebunden, denMund mit ihrem Taschentuch verstopft und die Augen mitihren Haubenbändern verbunden. Bei der Aufnahme bezeich-nete sie vier junge Leute als diejenigen, die sie so zugerichtethätten, um sie zu missbrauchen, nachdem sie ihren Kräftennicht länger bätte widerstehen können. Die Untersuchung ergabgleichwohl, dass alles nur Erfindung einer Hysterischen war.[Annal. cVhygiene. t. 2.)
Eine Andere ging so weit, ihre Hand über einem Kohlen-feuer zu verbrennen, in der Absicht, Unschuldige zu be-züchtigen.
Marie N., 26 Jahre alt, von ihrem Verlobten Martin ver-lassen, bekam Krämpfe und Ohnmächten, erholte sich indessen inder Folge. Eines Morgens fand man alle Beben im Weinbergeines städtischen Beamten durchschnitten. Martin und seinBruder wurden von Marie als die Thäter denunzirt unddaraufhin verurtheilt.
Einige Monate später zeigte sie Wunden vor und ver-klagte einen Oheim Martins, der dafür mit 5 Jahren Gefäng-niss zu büssen hatte. Kurze Zeit darauf wurde wegen neuer Ver-wundung ein anderer Oheim Martins von ihr verklagt. Die ganzeBevölkerung war gegen den Letzteren aufgebracht und nahmPartei für das vermeintliche Opfer der Familie Martin. Erstals das Mädchen bei einem Wirthe in Dienst trat und ihnbestahl, schöpfte man Verdacht, dass alles erlogen sei. Späterheirathete sie einen Weinbergbesitzer, der nicht lange daraufan Gift starb; da sie aber ein falsches Testament vorbrachte.