Fünftes Kapitel. Der Alkoholiker als Verbrecher. 203
Lanceubaux [Ganz. med. 1881) unterscheidet sich der Zustandnach Absinth von dem nach gewöhnlichem Alkohol durchhäufigeres Auftreten von Hyperästhesie und Hyperalgesie,namentlich an den Wänden des Unterleibes, und durch un-gewöhnliche Erregbarkeit für Reflexe; denn die leichteste Be-rührung bringt Kontraktionen am ganzen Gliede vor.
Es giebt indes eine noch schwerere Form von Diliriumtremens, das ist die hochakute oder besser fieberhafte Form,deren zwei Hauptsymptome fibrilläre subkutane Zuckungen undhohe Temperaturen (bis 43 °) sind. Die ersteren bestehen inwirklichen Schauern der Muskeln, hören im Schlaf nicht aufuud sind entweder von Chorea, die einzelne Theile, besondersdas Gesicht und die Augen befällt, — oder, was schlimmerist, von Paralyse begleitet. Die Eieberteniperatur beträgt eineZeitlang nur 38 bis 39 und springt dann mit einemmal auf40 bis 43 °. Günstiger ist es, nach Magnajs t , wenn sie von40 ° im Anfang nach 2 Tagen auf 38,3 herabgeht.
Magnan beobachtete auch, dass Hallucinationen undDelirien, selbst wenn sie häufig und stark dabei auftreten,weniger zu fürchten sind, als die Temperatursprünge, besonderswenn Erscheinungen krankhafter Beweglichkeit von grosserAusdehnuno- und langer Dauer dazu kommen, während ver-
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einzelte von kurzer Dauer, selbst intensivere weniger ge-fährlich sind.
Man könnte daraufhin glauben, dass ein oder mehrereAnfälle von Dilirium tremens hinreichen, um die Intelligenzzu zerstören und aus einem lasterhaften Menschen einen blöd-sinnigen zu machen. Das ist nicht der Fall. Es giebt imGegentheil Beispiele genug, welche beweisen, dass Alkohol :missbrauch und Intelligenz sich einander nicht ausschliessen,ja dass sogar der erstere der letzteren förderlich sein kann.Sicher ist doch Alexander d. G. unter die grossen Männer zuzählen, die mit dem Weine Missbrauch getrieben haben.Freilich weiss man, dass er in der Trunkenheit seinen bestenFreund getödtet hat, und man will wissen, dass er gestorbenist, nachdem er die Schale des Herkules zehnmal geleert gehabt.Auch Sokrates, Seneka und Alkibiades, scheint es, sind ebenso