Fünftes Kapitel. Der Alkoholiker als Verbrecher. 195 -
21. Erbliche Trunksucht. — Marro hat beobachtet,<dass Kinder von Trunksüchtigen ' entweder grosse Quantitätenvertragen können, oder aber von der kleinsten Menge betrunkenwerden und eine ganz ausnehmende Grausamkeit und Wild-heit zeigen, wodurch sie gleich den Epileptischen im höchstenGrade gefährlich werden.
Wenn beide Eltern Trinker gewesen sind, so pflegt dasmoralische Gefühl im höchsten Grade mangelhaft zu sein.(Marro, Oaratteri dei delinquenti, Turin 1887). „Es ist eineFabel, dass man von den Kameraden das Stehlen lerne; ichhabe es von mir selbst gelernt," sagte R., der Sohn tranksüchtiger Eltern. Im Alter von 23 Jahren war er schon6mal wegen Diebstahls, 3mal wegen Körperletzung, lmalwegen Ausbruches aus-dem Gefängnisse bestraft.' Er war auseinem Provinzialgefängniss entwichen und hatte auch seinermit ihm verhafteten Geliebten die Entweichuno; möarlichgemacht.
R., der von 49 Jahren seines Alters 30 in Gefängnissenzugebracht, war der Sohn trunksüchtiger Eltern.
Der Vater von P. (der. seiner Schwester mit einer Keuleden Schädel eingeschlagen hat) misshandelte seine Frau stetsin so grausamer Weise, . dass ein anderer seiner Söhne imZorne ihn beinahe einmal mit einer Mistgabel, die ihmseine Schwester zutrug, durchbohrt hätte, wenn ein Nachbarsich nicht ins Mittel geschlagen hätte. Derselbe Vater ver-folgte einmal im Zorne mit einer Sichel seine Kinder, die1 Groschen beim Milchverkauf unterschlagen hatten, um ihrenHunger zu stillen, und hätte sie umgebracht, wenn er nicht imSchnee ausgerutscht wäre.
No. 354 stand bei seiner Mutter im — nicht begründeten— Verdacht, ihr 2 Lire entwendet zu haben. Sie band ihmdie Hände auf den Rücken, umwickelte ihn mit Hede undzündete diese an, um ihn zum Geständniss zu bringen.
No. 379, rhachitisch und lahm, wurde von seiner Muttergezwungen, auf blossen Brettern, die man auf das Pflasterlegte, zu schlafen, während der übrige Teil der Familie diegewöhnlichen Betten benutzte.
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