134 Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.
Ein anderer Trunkenbold überraschte einen armen Mann imSchlafe, umschlang ihn mit einem in Petroleum getränktenStrick und zündete letzteren an (ibid p. 9).
11. Diebstahl. — Die Diebereien geschehen bisweilenaus einem nur theilweise automatischem Drange, anderntheilsdadurch, dass der Gedanke plötzlich in die That, das Ver-langen in das Aneignen sich umsetzt und dass — bei demgänzlichen Mangel an moralischem Sinne — ein Hinderungsgefühlnicht im entferntesten dem Verlangen sich widersetzt.
Schon oben haben wir von einem Geistlichen gesprochen,der Kirchengefässe in den Pfarreien stahl und sich damit zurechtfertigen suchte, dass er sie erbeten hatte; erbeten ist abernicht gestohlen. — Bin sehr anständiger Manu aus besterFamilie hatte im Gasthof während eines seiner Paptus seinenHut verloren; ohne Zögern griff er nach dem Hut und nachanderen Kleidungsstücken eines Trinkgenossen, die sich indessen Zimmer befanden, und ging ruhig auf die Strasse, woder Diebstahl sofort, entdeckt wurde.
In derselben Art begehen sie auch Betrügereien, -da derSchritt A r on der Einbildung, Peichthum zu besitzen, zu derUeberzeugung davon sehr kurz ist und im Zustande derTrunkenheit unmittelbar übersprungen wird.
12. Gattenmord. — Da der Anblick des in der Pegelschmutzigen Hauses die vom Weingeist erzeugten goldenenTräume verdunkelt und widerlegt, und ihnen die wirklicheGestalt' und ÜSTotk des Lebens zeigt, da der Weingeist über-dies Peizung und Hyperämie der Genito-cortical-Centren unddamit Liebesverlangen erweckt, das nicht befriedigt werdenkann infolge der fettigen Entartung der Samenkanälchen undinfolge der Störungen im Rückenmark, — so wendet sichihre mörderische Hand so häufig gegen die Gattin oder dieGeliebte, die sie haben, in der Meinung, materielle Beweiseder Untreue derselben zu besitzen.
Kkafft-Ebing und Marcel stiessen auf 23 solcher Fällebei Männern und 3 bei Frauen. Mir sind nur zwei Fälle vor-gekommen, in denen Männer ihre durchaus unschuldigen Frauen,die ihnen keinen Anlass zur Eifersucht gegeben hatten, auf