Fünftes Kapitel. Der Alkoholiker als Verbrecher. 179
stand, die zwar auch bei den echten Verbrechern gefundenwird, bei ibnen aber noch deutlicher hervortritt. Sie befindensich im Gefängniss, als wären sie zu Hause, ja fast nochbehaglicher, und denken weder an ihren Prozess, noch an das,was sie gethan, kaum dass sie auf einen Augenblick vor demRichter sich ermuntern.
Ein Mann von 30 Jahren, der eine gute Erziehung ge-nossen, als Arzt, Apotheker, Schreiber und Beamter gearbeitetund jedesmal wegen Trunksucht seine Stelle verloren hatte,fand auf der Strasse einen Wächter, den er tödtete, weil erglaubte, dass er ihn verhaften wolle. Im Gefängniss wardas Erste, was er that, dass er an seine Mutter schrieb, siesolle ihm Pomade schicken. Dem Untersuchungsrichter ant-wortete er, das viele Fragen sei unnütz, er habe' sich schonfür ein neues Gewerbe, für das Pbotographiren bestimmt.Erst nach langen Monaten der Abstinenz kam ei: zu sichund begriff das Unheimliche seiner Lage. ■ (Tardieu, De lafolie 1870.)
Ich habe drei hochgestellte Personen kennen gelernt, diezum erstenmale das Gefängniss betraten und die mir so ruhigund zufrieden vorkamen, als befänden sie sich in einem Bade-oder Luftkurort.
8. Kontrast zwischen Apathie und Impuls. —Ihre Apatbie wechselt jedoch bei jeder Gelegenheit mitImpulsen, die oft im Gegensatz zu ihrem früheren Leben stehen— und die sie nicht zu beherrschen vermögen, selbst wenn siedas-Verbrecherische derselben einsehen.
Von kostbarem Werthe ist in dieser Beziehung das Be-kenntuiss eines Trinkers bei Marro.
Ein Priester, der zugleich Dieb und Stuprator, ein Opferdes Alkoholismus war, sagte ihm:
„ . . . Ich möchte fast die katholische Eunuchenerziehungverfluchen, die mir den Kopf verrückte, ebensowohl wie dasschlechte Beispiel der Unniässigkeit in meiner Familie, das anmeinem Buin schuld ist. In meinem Innern herrscht nichts,als die Phantasie, ich erkenne das Gute und ergebe mich demSchlechten. Ich bin von Lastern und vom übermässigen
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