Viertes Kapitel. Psychologie. Unterschiede. 169
Zwei an Grössenwahn Leidende erblickten in den Sachendes Anderen ihr Eigenthum, und da sie meinten, es müsseihnen gestohlen worden sein, so versuchten sie sich derselbenmit Gewalt oder List zu bemächtigen. — Ein Juwelier, der sichfür den Herrn aller Goldschmiedewerkstätten und die Anderenfür seine Diener hielt, nahm eine Uhr oder eine Spange, wo ersie fand, weg. Auf der That ergriffen, behauptete er derrechtmässige Besitzer zu sein, war empört über die Unbot-mässigkeit seiner Diener (der Wächter) und schlug sie.
Eine an Grössenwahn und Kleptomanie leidende Fraubehauptete, sie sei die Königin und brauche Niemandem Rechen-schaft zu geben, wenn man bei ihr nach dem Verbleib derentwendeten Dinge anfragte. Ein reicher Melancholischer da-gegen glaubte nichts mehr zu besitzen und stahl ein Brotoder andere Gegenstände, um den Hunger seiner Kinder zustillen.
B., aus einer geisteskranken Familie, ist plagiokephal,melancholisch, Hallucinant und behauptet, er werde gehasstund verspottet, weil er zu leicht ejakulire, versucht seineFrau zu tödten, weil er im Traume den Befehl dazu erhaltenhabe. "Während des Mordversuches achtete er auf die Gegen-wart anderer Leute nicht; er hatte sogar zuvor die Waffe ge-zeigt, mit der er die Frau umbringen wollte.
Reynaud, im Alter von 67 Jahren dement nach einemehrbaren, sittenreinen und frommen Lebenswandel, ergab sichplötzlich den zügellosesten Lüsten und unterhielt Dutzende vonGeliebten. Unter den Letzteren befand sich ein Mädchen von20 Jahren; an diese schrieb er Briefe mit Anträgen vollscheusslicher "Wollust. Er tödtete seine leibliche Schwester,die ihm als Beischläferin diente, in einem Anfall wilder Eifer-sucht, und man fand ihn dem Leichnam gegenüber, den ei'unter Aeusserungen von Begierden betrachtete, kalt undohne Reue.