Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
166
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16ß Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.

einigen, wo sie in Weiber- und Priestertracht Prozessionen undSchauspiele aufführten, die gewisse chaldäische und griechischeScenen z. Z. Heliogabals in Erinnerung brachten.

Auch Neros und Tiberius' scheussliche Einfälle ent-stammten einer abnormen Erregung der Hirnrinde und lassensich nur auf solche Weise erklären. (Nero Hess seine Opferin Thierfelle kleiden.)

Neumann leitet ähnliche Anomalien von Degenerationdes Rückenmarks ab, insbesondere der oberen Cervikalregion,oder in der Gegend des 4. Lumbarwirbels, wo nach Btjdgedas Genito-Spinal-Centrum sich befindet.

Dadurch gewinnt man auch eine Erklärung für die nichtseltenen Fälle, wo bei früher nicht degenerirten, aber altenLeuten derartige Neigungen sich entwickeln, weil das Greisen-alter die Rinden- und Spinal-Degeneration und damit auch dieAnomalien begünstigt.

Das Liebesgelüst, das sich mit dem Gelüst nach Blut,Verwunden, Stechen verbindet, ist ganz atavistisch, aus jenenZeiten, v r o Liebe nur durch Kampf und blutigen Streit er-worben werden konnte.

- Gleichwohl stehen diese Fälle, was Motiv und Art derAusführung betrifft, so sehr ausserhalb der gewöhnlichen, sogarder Verbrecherwelt, dass sie sofort als Erzeugnisse des Wahn-sinns erkannt werden müssen.

10. Verhalten während des Verbrechens und nachdemselben. Schon die Art und Weise, wie die wirklichIrren während und nach dem Verbrechen sich ganz andersbenehmen, als die gewöhnlichen Verbrecher, lässt den grossenUnterschied zwischen beiden erkennen.

Ungeschicklichkeit. Sind Zweck und Mittel derAusführung bisweilen auch ganz und gar denen des Ver-brechers gleich, so geschieht die Ausführung selbst doch ineinem dem epileptischen ähnlichen Zustande. Gewaltsames,hartnäckiges, unvorsichtiges, krankhaftes Wesen zeigt sichnicht nur beim Begehen, sondern auch, und das vorzugsweise,nach Verübung der That. Sehen wir z. B. Charpentier, dersein Opfer beraubte und dann das Haus ansteckte. Die