Viertes Kapitel. Psychologie. Unterschiede. 129
den Fragen Anderer Aufmerksamkeit zu schenken; — dazueine Vielgeschwätzigkeit, die bei gewöhnlichen Geistern inWortgefasel und Reimklingelei ausartet. Mitunter werdenSilben oder ganze Worte in der Rede wie in der Schrift aus-gelassen, die Buchstaben sind ungleich, oft unleserlich, . alleEcken des Papieres beschrieben, die Worte zwei- oder dreimalunterstrichen. Viele schreiben in verschiedenen Sprachen undAlphabeten mit grosser oder kleiner Schrift. Der Anfang desGeschriebenen hat Zusammenhang, das Ende nicht. Wenn eszur Besserung geht, so zeigt sich die Gedankenschwäcbe darin,dass sie wie die Kinder schreiben, grammatikalische Schnitzermachen und sich überhaupt kindisch betragen, ganze Stundeneintönig Dada und Nana singen oder Mae Bebes sprechen, —ein Beweis für die Erschöpfung des Gehirnes. Man würdeaber mit Unrecht eine schlimme Prognose darauf begründen.
Sehen sie, dass sie gefürchtet werden und lässt man ihnendie Freiheit, sich gehen zu lassen, so wächst ihre Thatkraft,sie Anfallen dann auf Grössenvorstellungen, halten sich fürKönige, Fürsten, grosse Männer, Messias, Gott — sogleichaber, ohne einen Augenblick den Faden ihrer Rede zu ver-lieren, versichern sie nicht selten irgend eine Ungereimtheit,z. B.: „Ich bin die Generale, ich bin Ihre Ale." —
Eine besondere Form des Delirirens, abgesehen vomhallucinatorischen, ist die von Mendel als palingnostische er-kannte, wobei der Kranke das Gesicht einer anderen Personmisskennt und letztere für eine andere hält. Derartige Maniaci,„Hypomanen" genannt, bilden eine Spezies der akuten MoralInsanity und dürften zu schweren Irrthümern verleiten können.Hier ist die Manie von keinem Delirium begleitet und ent-wickelt sich langsam. Als erstes Anzeichen dafür giebt sichdie Aenderung der Gewohnheiten kund.
Plötzlich nehmen sie sich ernstlich vor, das Leben geniessenzu wollen, entwerfen Pläne zu Reisen, zu Unternehmungen,und wenn es Frauen sind, so fangen sie an die Ordnung imHause umzukehren. Sie gehen rücksichtslos auf ihr Ziel los,stehlen und raffen zusammen, wenn es noth thut, oder werfendas Geld mit vollen Händen weg. Tagelang bleiben sie von
LoMBROSO, Der Verbrecher. II. 9