Drittes Kapitel. Psychologie. Aehnlichkeit der Beweggründe. 85
Irren in den uns am meisten interessirenden Momenten ihresSeelenlebens zeigen, nämlich wenn sie ein Verbrechen zu begehenim Begriffe sind, oder wenn sie ein solches begangen haben.
Die Aehnlichkeit ist unstreitig in zahlreichen Fällenw ahrz unehmen.
2. Das Motiv zur That fehlt oft ganz und gar; nichtselten auch stehen beide in keinem Verhältniss zu einander.
a. So fehlte unter 100 irren Mördern das Motiv zurThat in 19 Fällen vollständig, in 17 war eines vorhanden.
Der melancholische, 37 Jahre alte Lacoste hatte schonim Alter von 11 Jahren einen Selbstmordversuch gemacht.Im Aerger auf seine Frau, die immer Recht gegen ihn be-halten wollte, wendete er sich an den Pfarrer, bedrohte siezuerst und tödtete sie schliesslich eines Nachts mittelst eineseigens dazu hergerichteten Schusterkneifes.
Der schwachsinnige Grenier, dessen Eltern irr waren,erschlug seine Mutter mit einem Beil, um nach ihrem Todein den Besitz von 18 Francs und ihres Mobiliars zu kommen.
R., eine 33 Jahre alte, melancholische Bäuerin, tödteteihre kleinen Töchter aus dem vor der Ausführung kund-gegebenen Grunde, weil sie das Brot, das ihre Bander er-betteln mussten, nicht mehr erwerben könne, und weil siedarum, dass sie nicht mehr beten könne, dem Teufel ver-fallen sei. ,
J. D., 61 Jahre alt, Grundbesitzer, beabsichtigte seinVermögen unter seine Kinder zu vertheilen. Da seine Frausich nicht überreden liess ihre Einwilligung zu geben, soüberfiel er sie hinterrücks und erdrosselte sie.
Ein gewisser P., .33 Jahre alt, Trinker, schon langegewaltthätig und an allgemeiner Schwäche leidend, erschlugseine Mutter und 2 Frauen, die bei ihr wohnten, weil sie ihmkein Geld zum Vertrinken geben wollten.
T., schwachsinnig, erdrosselte seinen Sohn, weil dessenBetragen ihm die Achtung seines Hauswirthes entzog (Marro).
Funajoli spricht von einem 44 Jahre alten Schwach-sinnigen, der, bis zum Wahnsinn erregt, weil er in ein anderesGut übersiedeln sollte, einen Knaben erschlug, der auf seinem