Zweites Kapitel. Biologie. 83
in Krankheiten, die von demselben begleitet zu sein pflegen,auch bei den Verbrechern statt. (Raggi, Sülle febbri neipaszi, 1876.)
Viele Irre tragen dieselben körperlichen Missbildungen,die wir so häufig bei Verbrechern finden, als: abnorme Ohr-stellung , spärlichen Bartwuchs, Augenzwinkern, Schielen,dunkele Haut, zurückgebliebene Körperentwickelung, undleiden wie diese auch an Kopfschmerz.
Bei vielen Verbrechern dagegen, bei denen, wie bei Preedy,Freman, Freude, Leger, Benoit, nicht der mindeste Verdachtauf Geistesstörung vorlag, fand man nach dem Tode Osteome,Verdickung der Dura, Verwachsung der Pia mit der Hirnrinde,dieselben Dinge, die man so häufig bei Leichenöffnungen vonunheilbaren Irren bei sekundärer Demenz findet. Ich fand ausser-dem Bildungen, die entschieden angeboren und nicht sowohlfür. das Verbrechen, wie für das ganze Leben bestimmend sind:die mittlere Hinterhauptsgrube, Mikro- und Skaphokephalie.
Etliche Verbrecher zeigen auch die theilweise Unempfind-lichkeit für Körperschmerz, wie man sie bei Geisteskrankheitbemerkt.
Bisweilen begegnet man bei Verbrechern wie bei Irreneiner Gleichgewichtsstörung der Empfindung; grosser Anhäng-lichkeit an Genossen, Kindern, Geliebten; geringer Liebe fürdie Familie, häufiger dem Gegentheil.
Verbrechern wie Irren fehlt es oft an Gemüth; sie kennenweder Pietät, noch Wohlwollen, sie bedauern nicht ihre Opfer,sie sind imstande, neben dem Leichnam derselben zu essen, zutanzen und damit zu prahlen; sie empfinden wenig Mitleid mitihren Leidensgefährten.
Das Verhalten der Verbrecher in den Gefängnissen unddraussen ist dem der Irren oft völlig gleich. „Unter derMenge von Verbrechern," sagt Nicholson, „finden sich immereinige, die man auf Grund ihrer Gleichgültigkeit gegen Tadelund Strafe, ihrer Maasslosigkeit und plötzlichen Wuthanfälle, indenen sie, besonders die Frauen, Fenster zerschlagen, Kleiderzerreissen, nicht selten auch auf Grund ihres Verfolgungswahnesund ihrer beharrlichen falschen Deutung der Handlungen
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