536 Dritter Theil. Biologie uud Psychologie des Verbrechers.
einem physiologischen, auf thierischen Trieben beruhendenZustande entspringen, der sich beim Menschen infolge derErziehung oder aus Furcht vor Strafe zwar abstumpft, aberunter dem Einfluss von Krankheit, Liebesrausch, von schädli-chen Beispielen u. dgl. m. plötzlich wieder hervorbrechen kann.
Krankheiten, wie Kopfwunden, Meningitis, Intoxikationund gewisse physiologische Zustände, wie Puerperium undSenium, können Entwicklungshemmung und Reizung der Gre-hirncentren, infolge dessen epileptische und atavistische Zu-stände hervorbringen und also auch die verbrecherischen Nei-gungen befördern.
Da wir ferner wissen, dass der Unterschied zwischendem Verbrecher, zwischen dem Ungebildeten und dem Wildensehr gering ist, so sehen wir oft, dass das Volk eine gewisseVorliebe für den Verbrecher hat, ihn zum Helden stempeltund ihm zuweilen sogar nocb nach seinem Tode eine Art vongöttlicher Ehre bezeugt. Andererseits fühlen sich auch dieSträflinge zu den Wilden hingezogen, nehmen ihre Sitten anund schrecken selbst vor dem Kannibalismus nicht zurück.(Bouvibr: Voyage ä la Guayane. 1866.)
Wenn wir sehen, wie unsere Kinder vor Beginn ihrerErziehung lügen, stehlen, schlagen, so darf es uns nicht über-raschen, dass Kinder ohne richtige Erziehung sehr früh demLaster verfallen — und dass dieser Mangel allein schon imstände ist, auf den Weg zum Verbrechen und zum moralischenIrrsein zu führen. Der schlimmste Charakterzug, der diesenbeiden gemein ist, der angeborene böse Muth, für den eineUrsache sich nicht finden lässt, kann übrigens geradezu füreinen Zustand von verlängerter Kindheit angesehenwerden.
Mit Hülfe des Atavismus wird es ferner erklärlich, warumdie Strafe so wenig wirksam ist, warum eine gewisse Zahlvon Verbrechen so beständig und regelmässig zu gewissenZeiten wieder auftaucht, — wie z. B. die Verbrechen gegendie Person (nach Maury und Gtüerry) nie mehr als 1 /± unddie gegen das Eigenthum nicht mehr als l /a aller Verbrechenbetragen. Darum kann man mit Maury 1 sagen: „Wir stehen