534 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.
zu bekunden scheinen, z. B. normale Intelligenz, Wuchs,Gewicht u. s. w.
Von diesem Gesichtspunkt aus wird es klar, warum manchesehr auffällige, physiologische und atavistische Erscheinung(z. B. der Mancinismus hei den Gaunern) hei Verbrechernvorkommen, denen die anatomischen Anomalien fehlen, des-gleichen, warum bei moralisch Irrsinnigen und Verbrechernjede Spur von Gemüth fehlen, die Intelligenz dagegen intaktbleiben kann.
5. Atavismus des Verbrechens. — Die Entwicklungs-hemmung und der epileptoide Zustand vertragen sich sehr wohlmit dem Atavismus, der sich bei dem Verbrechen in hervor-ragender Weise geltend macht. Der grösste Theil der in demvorliegenden Werke bezeichneten Eigenschaften des Wilden,sowohl der körperlichen als auch der geistigen, findet sich beidem Verbrecher wieder. So die Anomalien am Schädel undGesicht, von denen wir nur einzelne hervorheben, als: dieStirnnaht, die Interparietalnaht, die Einfachheit der Nähte undihre frühzeitige Verwachsung, die Schaltknochen, die mittlereHinterhauptsgrube, die Prognathie, die vorspringende Supra-orbital- und Wangengegend, die Schläfenenge, die Anomalienan den Ohren; die Behaarung der Stirn; ferner die Analgesieund Anästhesie besonders bei den Frauen, die Aehnlichkeitbeider Geschlechter, die Frühreife, Leichtsinn, Eitelkeit, Grau-samkeit, Trägheit, Aberglaube.
Die Aehnlichkeit lässt sich bis in die kleinsten Dingehinein verfolgen; es genügt indes nur noch auf das Tättowiren,auf die Zeichensprache und die Vorliebe für poetische Formhinzuweisen, in welcher das Verbrechen verherrlicht wird, wiein den heroischen Zeiten des Alterthumes.
6. Anwendung. — Der Atavismus erklärt uns den Cha-rakter und die Fortpflanzung gewisser Verbrechen. Ohne ihnwäre die ungeheure Verbreitung der Päderastie und des Kinder-mordes, die im Grossen und in Gesellschaften, wie in Griechen-land, Rom, 1 China, Tahiti betrieben wurden, kaum begreiflich,
Vgl. Tit. Livii: Hist. XXXIX. 8—13.