284 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.
der überdies hallucinirte. Bei einem sehr jungen Diebetrat volles Erröthen nach 18 Sekunden, bei einem ganzjungen, aber spitzbübischen und faulen Bedienten mit an-genehmer Gesichtsbildung erfolgte dasselbe nur in sehr ge-ringem Maasse, bei 2 anderen jungen Dieben schon nach 3 Se-kunden.
A\if 2 Tropfen reagirte ein Strassenräuber erst nach50 Sekunden und zwar nur auf der linken Backe; sehr raschdagegen ein Betrüger. Daraus lässt sich der Schluss ziehen,dass das Amylnitrit bei einer gewissen Klasse erwachsenerVerbrecher oft später und in schwächerem Grade als beiNormalen einwirkt.
Denn bei 14 Normalen brachte 1 Tropfen merklicheRöthung in der Zeit von 7—28 Sekunden hervor, bei zweibrauchte man 2 und bei einem 4 Tropfen dazu; die Röthungtrat indes stets binnen 50 Sekunden ein. Auch bei leiden-schaftlichen und sehr jungen Verbrechern ist die Wirkung einerasche und intensive. In einigen, allerdings sehr seltenenPällen trat sie sogar schneller als im Normalzustande ein.
17. Prüfung mit dem Sphygmographen. — NachdemMosso den Plethismographen erfunden und den Sphygmo-graphen verbessert und dadurch das Studium der Beziehungendes Kreislaufs zur Psyche so wesentlich erleichtert hat, lag esnahe, diese Methode auch zur Ergründung der Seelenzuständeder Verbrecher nutzbar zu machen.
Wir suchten zu diesem Behufe handfeste, mehrmals rück-fällige, mit den physischen und psychischen Eigenschaften derVerbrechernatur ausgerüstete Burschen aus, dazu auch einigeGelegenheitsverbrecher und Normale.
Der linke Arm wurde in einen Hydrosphygmographengelegt und der rechte durch Leitungsdräthe mit dem Ruhm-korffschen Apparat verbunden, dessen Trommel ihrerseits miteinem Desprezschen Signalapparat verbunden war. Gleich-zeitig zeigte eine mit einem elektrischen Strome in Ver-bindung gebrachte Stimmgabel auf dem Cylinder die Zeit-dauer der Prüfung an (20 Schwingungen in 1 Sekunde). DerRuhmkorffsche elektrische Apparat giebt den Eintritt der