256 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.
wird, indem in ihrer nächsten Nähe eigene Marcatori an-gestellt sind, die für jeden Tättowirten 60—80 Centesimi er-halten ; — gewiss ein enormer Preis, wenn man die Dürftigkeitder Operirten und den geringen Vortheil, ja vielmehr denNachtheil Dedenkt, den sie davon haben, indem viele von ihnen3—14 Tage das Bett hüten müssen wegen Erysipelas, Phleg-mone, Drüsenentzündung und nicht selten sogar Brand, der, wieBekchon beobachtet hat, sogar Amputationen nöthig machte.
Dem Gewerbe nach waren die meisten der Tättowirtenin der Lombardei und den Marken, bevor sie in das Militäreintraten, Bauern, besonders Häusler, dann Maurer, Barken-führer, Bäcker, Grubenarbeiter aus Carrara, Holzarbeiter undim Venetischen Kärrner; in der Bomagna und Neapel Fischerund Hirten.
Fast Alle tragen die Einschnitte auf der Vorderfläche desUnterarmes, viel seltener an den Schultern, auf der Brust (dieSchiffer), an den Fingern (Grubenarbeiter) in Form einesBinges; auf dem Bücken oder an den Schamtheilen jedochnur Diejenigen, welche in transatlantischen Gegenden oder inGefängnissen gewesen sind. Dasselbe ist in Frankreich der Fall,wo Hütin von 506 Soldaten 489 am Unter-, 7 am Oberarm,48 auf der Brust, 2 an den Hüften, 2 an den Lenden, 1 amPenis tättowirt fand.
Die Zeichnungen selbst beziehen sich entweder auf Liebe,Beligion, Krieg und Gewerbe und sind die unvergäng-lichen Spuren der Vorstellungen und vorherrschenden Leiden-schaften des Mannes aus dem Volke.
Die Sinnbilder der Liebe kommen nur selten und fastausschliesslich bei Lombarden und Piemontesen vor; es sinddie Initialen der Namen von Geliebten in Majuskeln, oder dieZeit der ersten Liebe, oder ein bis mehrere Herzen von einemPfeil durchbohrt, oder zwei verschlungene Hände. Einmal be-merkte ich eine ganze Frauenfigur in Bauerntracht mit einemKranz und in der Hand eine Blume; ein anderes Mal einkurzes Liebesgedicht.
Die Kriegssymbole finden sich natürlich am häufigstenbeim Militär und sind so fein und in den Einzelheiten so treu