Zweites Kapitel. Gehirn und Eingeweide 189
Die rechte aufsteigende Stirnwindung ist sehr unregel-mässig; in ihrer Mitte zweigt sich ein dünnes Stück ab, dassich mit dem zweiten Ast der ersten Windung (s. o.) ver-bindet, alsdann aber, anstatt sich direkt mit der aufsteigen-den Scheitelwindung behufs Bildung des Lob. pararoland. zuverbinden, an seinem oberen Drittel in zwei Aeste, einen oberenund unteren, sich spaltet. Der obere Ast biegt plötzlich nachvorn um, bildet einen nach vorn konkaven Haken und senktsich am hinteren Ende der Spalte, welche die erste Stirnwindungbegrenzt, in die Tiefe; der andere (tiefliegende), dünne Ast da-gegen trägt zur Bildung des Lob. pararoland. bei. Die linkeaufsteigende Stirnwindung ist in der Mitte von der oberen Stirn-furche, welche direkt in die Fissura Rolandi mündet, durch-brochen.
3. Kleinhirn. — Die häufigen Anomalien, welche amCerebellum der Verbrecher vorkommen, beruhen, wie mansich denken kann, auf dem so häufigen Auftreten einermittleren Hinterhauptsgrube, die so oft zu Verbildungen desVermis sich gesellt.
Tenchini (Singölare deformitä del verme cerebellare inferiorein im uomo adulto a tardo sviloppo intellettuale. Mailand 1881■— Entartung des Unterwurmes bei einem geistig zurück-gebliebenen Erwachsenen) fand die Länge des Unterwurmes,27 mm, weit unter der normalen beim Weibe, die Uvulabreiter als gewöhnlich, dazu Sförmig verbogen wie bei niederenWirbelthieren, hinter dem Nodulus, ihr vorderes Ende nachrechts bis auf eine Entfernung von 3 mm gegen die konvexeFläche des Nodulus vorgeschoben. Die Höcker am Dachedes 4. Ventrikels waren kreisförmig, wie beim Fötus, anstattelliptisch. Das betreffende Individuum war ein Schlemmer undPrahler.
Dagleur, ein geiler Dieb und Muttermörder, hatte einatrophisches Gehirn von 818 g Gewicht, mit einem Klein-hirn, das nur 20 g wog. Das letztere war links flacher alsrechts, hatte nur wenige sagittal verlaufende und nicht tiefeFurchen. (Otto : Ein Fall von Verkümmerung des Kleinhirns.Berlin 1874.)